Kita-Träger stehen für mehr Qualität in der Verantwortung
Kita-Träger könnten stärker zur Qualität frühkindlicher Bildung beitragen, so das Ergebnis einer Befragung von Kita-Leitungskräften im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Insbesondere bei der Einstellung und Qualifizierung von Personal zeigte sich Verbesserungspotenzial. Warum das auch die pädagogische Begleitung von Mahlzeiten betrifft.
Kita-Träger tragen rechtliche, finanzielle und organisatorische Verantwortung für den Betrieb ihrer Einrichtungen. Trotz ihrer zentralen Rolle im System der frühkindlichen Bildung, stehen die Träger bei Fragen der Kita-Qualität bisher selten im Fokus, so die Bertelsmann Stiftung, die eine Befragung von etwa 4.800 Kita-Leitungskräften zur Rolle der Träger bei Personalauswahl, Einarbeitung und Weiterbildung beauftragte.
Zentrale Ergebnisse sind:
- Personalauswahl und Einstellung wird nicht in allen Einrichtungen professionell umgesetzt. Fast ein Viertel der Befragten (23 Prozent) berichtet von Stellenausschreibungen unterhalb des benötigten Qualifikationsniveaus. Bei Neueinstellungen gibt es Kompromisse beim Fachwissen (56 Prozent) und bei der Reflexionsfähigkeit (40 Prozent). Gründe liegen im Spannungsfeld zwischen Bedarfsdeckung und Qualitätssicherung beziehungsweise der Wunsch, das bestehende Personal zu entlasten (81 Prozent) und das Betreuungsangebot aufrechtzuerhalten (76 Prozent).
- Träger sind bei Personalauswahl, Einarbeitung und Qualifizierung nicht immer ausreichend eingebunden. So prüfen Träger bei Neueinstellungen nicht grundsätzlich Führungszeugnisse und Qualifikationen oder führen persönliche Gespräche. Auch über den Verlauf der Einarbeitung sind viele Träger nach Einschätzung der Kita-Leitungen nicht umfassend informiert.
- Unangemessenes Verhalten gegenüber Kindern kommt vor. 61,8 Prozent der befragten Kita-Leitungen beobachten unangemessene Verhaltensweisen (z. B. grober körperlicher Kontakt, unzureichende Körperpflege, verweigern emotionaler Zuwendung) mindestens an wenigen Tagen. Dazu zählt auch, Kinder zum Probieren oder Aufessen gegen ihren Willen zu drängen. Zwar berichtet die Mehrheit (86,4 Prozent), dass dies nie vorkommt, doch fast 9 Prozent beobachten dies an wenigen Tagen, knapp 3 Prozent häufiger. Mehrheitlich lehnen Kita-Leitungen dieses Verhalten ab, doch schätzen jeweils etwa 3 Prozent dieses Verhalten als manchmal nicht anders möglich oder sogar als angemessen ein.
- Professionelle Einarbeitung und Qualifizierung schützen Kinder und stärken pädagogische Qualität. Die Befragung zeigt, dass unangemessenes Verhalten seltener beobachtet wird, wenn Mitarbeitende professionell und strukturiert eingearbeitet, ihre Interaktionen mit Kindern begleitet und Qualifizierungsbedarfe erkannt werden. Informierte und eingebundene Träger können durch gezielte Weiterbildungen dazu beitragen, Wohlbefinden, Förderung und Beteiligung der Kinder zu verbessern.
Qualifizierung ist Schlüsselrolle
Die Einarbeitung und Weiterbildung neuer Mitarbeitenden spielt eine Schlüsselrolle, resümiert die Bertelsmann Stiftung. Angesichts sinkender Fachkraft-Quoten in den Kitas weisen die Fachleute auf die Notwendigkeit berufsbegleitender Qualifizierungs-Maßnahmen hin. Wichtig für das Kindeswohl in Kitas seien zudem eine gemeinsame pädagogische Grundhaltung und funktionierende Teamprozesse, vor allem bei der Einarbeitung. Hierfür müssten Träger unter anderem verlässliche Rahmenbedingungen schaffen und die Fachberatung als zentrale Unterstützungsstruktur stärken.
„Die Bedeutung der Träger für die Qualität einer Kita wird noch zu wenig beleuchtet. Dabei haben sie als Bindeglied zwischen Politik und pädagogischer Praxis viel Gestaltungsverantwortung. Unsere Befragung zeigt, dass sich viele Kita-Leitungen eine aktivere Rolle ihres Trägers sowie einen intensiveren Austausch wünschen.“
Ernährungsbildung und Verpflegung als zentrales Qualitätsmerkmal gestalten
Als enge Bezugspersonen prägen pädagogische Fachkräfte Essgewohnheiten und Geschmackserfahrungen von Kindern entscheidend mit. Es ist daher zentral, auch Ernährungsbildung als Teil von Qualifizierungsmaßnahmen zu etablieren, damit ein an gesundheitsförderlichen Qualitätskriterien orientiertes Mahlzeitenangebot erfolgreich umgesetzt werden kann. Fachkräfte sollen sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein und Ess-Situationen wertschätzend, reflektiert und professionell begleiten. So können sie Kinder dabei unterstützen, ein selbstbestimmtes, gesundheitsförderliches und nachhaltiges Essverhalten zu entwickeln. Kita-Träger verantworten zudem alle Rahmenbedingungen, unter denen Mahlzeiten angeboten werden, wie Art und Weise der Verpflegungsinfrastruktur oder in welchem Stundenumfang Hauswirtschaftskräfte beschäftigt werden. An welchem Qualitätsverständnis sich Kindertageseinrichtungen und Kita-Träger dabei insgesamt orientieren wollen, ist idealerweise in einem Verpflegungskonzept festgehalten.
Information und Unterstützung
- Handlungsempfehlungen zum Erstellen von Verpflegungskonzepten in Kindertageseinrichtungen finden Interessierte in unserer Arbeitshilfen-Datenbank.
- Ebenfalls finden dort pädagogische Fachkräfte, Fachberatungen, Kita-Leitungen und Träger Handlungsempfehlungen, Qualitätsentwicklungs-Tools sowie Qualifizierungsbausteine zur Gestaltung des Verpflegungsangebotes und zur pädagogischen Begleitung von Mahlzeiten.
- Unterstützung bei der Beschaffung von Kitaverpflegung bieten unsere regelmäßig stattfindenden Web-Seminarreihen sowie ein digitaler Leitfaden zum interaktiven Selbststudium.
Quelle
- Bertelsmann Stiftung Pressemeldung vom 15.10.2026: Kita-Träger könnten stärker zur Qualität in der frühkindlichen Bildung beitragen