Nachhaltigkeit in der Kitaverpflegung: Zwischen Engagement und strukturellen Grenzen
Verantwortliche in Kitas setzen sich mit viel Engagement für eine nachhaltige Verpflegung ein, doch erschweren personelle, zeitliche und finanzielle Ressourcen die Umsetzung. Eine Studie zeigt: Nachhaltigkeit spielt zwar zunehmend eine Rolle bei Entscheidungen, ist im Kita-Alltag aber noch selten ein handlungsleitendes Prinzip.
Eine nachhaltige Kita-Verpflegung trägt dazu bei, nachteilige Umweltauswirkungen zu reduzieren und gleichzeitig eine gesunde Ernährung bei Kindern zu fördern und zu unterstützen. Wissenschaftler*innen (u.a.) der Deutschen Allianz für Klimawandel und Gesundheit und der Universität Bayreuth sehen daher in Reichweite und Auswirkung der Kitaverpflegung einen zentralen Ansatzpunkt für eine nachhaltige Ernährungstransformation. Sie wollten wissen, wie Entscheidungsprozesse bei der Implementierung nachhaltiger Verpflegung in Kindertagesstätten aussehen und welche ressourcen- und strukturbedingten Einflussfaktoren zum Tragen kommen. Dies haben sie in einer qualitativen Studie basierend auf Interviews mit Vertreter*innen von Kindertagesstätten untersucht.
Zu ausgewählten Ergebnissen:
- Die Befragten verbanden mit einer nachhaltigen Ernährung überwiegend regionale, saisonale und frische Lebensmittel sowie Bio-Produkte, außerdem hochwertige tierische Produkte in reduzierter Menge. Sie benannten darüber hinaus Esskultur, Atmosphäre und gemeinschaftliches Essen als zentrale, jedoch formal kaum geregelte Aspekte nachhaltiger Verpflegung.
- In den Einrichtungen wird die Verpflegung überwiegend von den Leitungen koordiniert, die als zentrale Herausforderungen eine hohe Arbeitsbelastung, fehlendes spezifisches Ernährungs- und Umsetzungswissen, begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen sowie die Abstimmung unterschiedlicher Bedürfnisse von Kindern, Eltern und Team nannten. Als besonders arbeits- und zeitaufwändig empfanden sie die Erstellung und Dokumentation von Verpflegungskonzepten.
- Gleichzeitig bewerteten die Kita-Leitungen die Lernpotenziale für Kinder, die Möglichkeiten einer partizipativen Gestaltung der Mahlzeiten und eine Entlastung der Familien als große Chancen. Sie sehen in einer nachhaltigen Verpflegung langfristige gesellschaftliche Potenziale, insbesondere im Hinblick auf die Prävention ernährungsmitbedingter Erkrankungen und die Prägung von Ernährungsgewohnheiten.
Dreistufiger Entscheidungsprozess
Die Wissenschaftler*innen identifizierten unabhängig von der Einrichtungsstruktur einen dreistufigen Entscheidungsprozess zur Verpflegungsorganisation:
- Festlegung einer Orientierungsbasis, z. B. durch ein bestehendes Verpflegungskonzept, Vorgaben des Trägers oder Orientierung an Empfehlungen wie dem DGE-Qualitätsstandard.
- Speiseplanung in Abstimmung mit ernährungsbezogenen Zielsetzungen, Präferenzen der Kinder, Erwartungen der Eltern sowie mit organisatorischen Rahmenbedingungen.
- Auswahl von Lieferant*innen und Beschaffungswegen unter Berücksichtigung finanzieller Ressourcen, logistischer Machbarkeit und den Zielsetzungen einer nachhaltigen Verpflegung wie z. B. Bio- oder Regionalbezug.
Situative Chancen, kaum strukturelle Absicherung
Der Prozess verdeutliche, an welchen Stellen in der Praxis Nachhaltigkeitsaspekte konkret verhandelt, modifiziert oder verworfen werden, so die Wissenschaftler*innen. Aus ihrer Sicht scheitert die Umsetzung weniger an individueller Motivation, oftmals aber an unzureichenden Ressourcen, instabilen Kooperationen oder mangelnder Unterstützung durch Träger und Politik. Waren Einrichtungen etwa in der Lage, ihre Verpflegung durch engagierte Eltern zu verändern, waren diese Chancen meist situativ und nicht strukturell abgesichert. Die Forschenden fordern daher, Nachhaltigkeit als strukturierendes Leitprinzip in Entscheidungsprozessen fest zu verankern. Ohne verbindliche, praxisnahe und ressourcengestützte Rahmenbedingungen bliebe eine nachhaltige Kitaverpflegung sonst auf punktuelle Einzelinitiativen beschränkt.
Quelle
- Otto KE, Fast M, Wendt S, Bartelmeß T: Opportunities and challenges of sustainable nutrition for children in daycare centers. Ernahrungs Umschau 2026; 73(10): online first.