Aus Forschung wird Praxis: Schulessen als Impulsgeber für Gesundheit und Nachhaltigkeit
Mit einer Sammlung von wissenschaftlichen Artikeln weist die School Meals Coalition erneut auf potenzielle Gesundheits- und Umweltvorteile nachhaltiger Schulmahlzeiten hin. Vorgestellt wird unter anderem ein Handlungsrahmen für gesetzgeberische Maßnahmen sowie vertiefende Analysen zur Bedeutung regionaler Wertschöpfungsketten.
Gesunde und nachhaltige Schulmahlzeiten können Fehl- und Mangelernährung bekämpfen, die Prävalenz ernährungsmitbedingter Krankheiten mindern sowie Umweltbelastungen erheblich senken. Das zeigen wissenschaftliche Erkenntnisse des Forschungskonsortiums der School Meals Coalition, die in der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet zusammengefasst veröffentlicht wurden. Die Sammlung von sechs Artikeln zeigt unter anderem Modelle und Fallstudien auf und erklärt, wie nachhaltige Schulverpflegungsprogramme dazu beitragen, widerstandsfähigere und biodiverse Ernährungssysteme zu fördern.
Handlungsrahmen
Das erste Papier skizziert einen konzeptionellen Rahmen, der als Leitfaden für politische und gesetzgeberische Maßnahmen dienen soll. Der Rahmen basiert auf vier Säulen:
- Gestaltung gesunder und vielfältiger Speisepläne in Schulen,
- Übergang zur energieeffizienten, sauberen und modernen Kochpraxis,
- Reduzierung von Lebensmittelverlusten,
- Einführung einer ganzheitlichen Ernährungsbildung, die Kinder, ihre Familien und größere Gemeinschaften miteinander verbindet.
Weitere Beiträge liefern vertiefende Analysen zum Handlungsrahmen. So zeigt eine wissenschaftliche Arbeit den Zusammenhang von Schulgärten bzw. lokal angebauten Lebensmitteln für die Schulverpflegung zur Biodiversität in der Landwirtschaft auf: Ein ökologischer und regionaler Lebensmittelanbau fördert lokale Wertschöpfungsketten und hilft, klimaresiliente Ernährungssysteme aufzubauen. Dafür braucht es entsprechende Regelungen für die öffentliche Beschaffung und verbindliche Verpflegungsstandards, um die Nachfrage auf gesündere und nachhaltigere Lebensmittel stärker zu verlagern, so die Wissenschaftler*innen
In jeder Hinsicht: Return of Investment
In einem weiteren Papier quantifizieren die Fachleute die gesundheitlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen entsprechender Maßnahmen für nachhaltigere Schulverpflegungssysteme. Modellberechnungen zu global flächendeckender Schulverpflegung zeigen konkrete Zahlen:
- Die Prävalenz von Unterernährung würde in Regionen mit unsicherer Ernährungslage um 24 % sinken.
- Jedes Jahr könnte mehr als eine Million Fälle von ernährungsmitbedingten Krankheiten verhindert werden.
- Ernährungsbedingte Umweltauswirkungen ließen sich halbieren, wenn die Schulmahlzeiten den Empfehlungen für gesunde und nachhaltige Ernährung folgen und Lebensmittelabfälle reduziert würden.
- Die flächendeckende Versorgung mit Schulmahlzeiten wäre zwar zunächst mit Kosten verbunden, die die Fachleute zwischen 0,1 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Ländern mit hohem Einkommen und 1,0 % in Ländern mit niedrigem Einkommen schätzen. Diese Kosten würden jedoch kompensiert, weil durch die Vermeidung von Klimaschäden weniger externe Kosten entstehen. Die Mehrausgaben gleichen außerdem vermiedene Krankheitskosten aus.
Aus Forschung wird Praxis: Investition in die Zukunft von Kindern
Zusammengefasst bieten die Beiträge eine fundierte wissenschaftliche Grundlage für alle Länder weltweit, die auf nachhaltige und gesundheitsförderliche Schulverpflegungsprogramme setzen wollen. In Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen und Regierungen entwickelt das Forschungskonsortium der School Meals Coalition derzeit ein Toolkit, das Ländern dabei helfen soll, spezifische Kosten, Umweltauswirkungen und gesundheitliche Vorteile einer Umstellung auf nachhaltige Schulverpflegungsmodelle in ihrem jeweiligen Länder-Kontext zu bewerten.
Quellen
- Research Consortium for School Meals Coalition: School meals could unlock major gains for human and planetary health, new Lancet collection shows
- The Lancet Planetary Health. Nov 2025 Volume 9 Number 11