Schulessen stärkt Bildungsgerechtigkeit
Der UNESCO-Weltbildungsbericht 2026 zeigt: Bildungsgerechtigkeit bleibt eine große Herausforderung. Weltweit geht etwa jedes 6. Kind nicht zur Schule, zugleich verlangsamen sich die Fortschritte für mehr Teilhabe. Der Bericht hebt Schulessen ausdrücklich als robusten Mechanismus für mehr Chancengerechtigkeit hervor. Auch in Deutschland bleiben Bildungschancen von der sozialen Herkunft abhängig.
Mit dem Weltbildungsbericht 2026 läutet die UNESCO den Countdown zum Zieljahr der Agenda 2030 ein. Unter der Überschrift „Zugang und Chancengerechtigkeit“ ist die aktuelle Ausgabe die erste einer dreiteiligen Berichtsreihe. Weltweit wird der angestrebte universelle Zugang zu Bildung bis 2030 nicht erreicht werden, so eine der Kernbotschaften. Gleichzeitig macht der Bericht deutlich, dass die Länder in den vergangenen 25 Jahren erhebliche Fortschritte erreicht haben; viele Staaten haben ihre Bildungssysteme inklusiver gestaltet und benachteiligte Gruppen gezielter unterstützt.
Dennoch bleiben viele Kinder vom Bildungssystem ausgeschlossen
2024 besuchten 273 Millionen schulpflichtige Kinder und Jugendliche keine Schule. Das entspricht etwa jedem sechsten Kind bzw. Jugendlichen. Zudem verlangsamten sich die Fortschritte bei der Reduzierung dieses Anteils seit 2015. Auch geht die UNESCO davon aus, dass der universelle Abschluss der Sekundarschule bei den aktuellen Entwicklungen außer Reichweite bleibt. Gleichzeitig unterscheiden sich die Bildungschancen innerhalb und zwischen Ländern erheblich. So hängt der Bildungserfolg unter anderem vom sozioökonomischen Status, Geschlecht, Wohnort oder von einer Behinderung ab.
Bildungschancen hängen auch in Deutschland von sozialer Herkunft ab
Auch in Deutschland sind Bildungschancen stark von der sozialen Herkunft abhängig. Als ein prägendes Merkmal beschreibt der Bericht die frühe Aufteilung der Schüler*innen auf unterschiedliche Bildungsgänge. Sie erfolgt bereits im Alter von zehn Jahren und damit früher als in den meisten Ländern weltweit. Eine so frühe Entscheidung lässt dem Bildungssystem weniger Zeit, unterschiedliche Zugangsbedingungen auszugleichen, so die Fachleute. Welche Schulform der Sekundarstufe die Kinder wählen, hängt stark vom sozioökonomischen Status ihrer Eltern ab: So erhalten beispielsweise vier von fünf Kindern aus einkommensstarken Haushalten eine Empfehlung für das Gymnasium, bei sozioökonomisch benachteiligten Familien erreicht nur jedes 3. Kind diese Empfehlung.
„Der UNESCO-Weltbildungsbericht ist ein Weckruf: Wir müssen mehr tun für die Chancengerechtigkeit, auch im deutschen Bildungssystem. Wir müssen (…) alle Schülerinnen und Schüler bestmöglich fördern, unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund.“
Mehr Chancengerechtigkeit erforderlich
Damit Kinder Bildungsangebote gleichermaßen wahrnehmen können, braucht es laut UNESCO verschiedene Maßnahmen, unter anderem eine verlässliche und gerechte Finanzierung sowie Investitionen in bedarfsgerechte Infrastruktur. Eine weitere Empfehlung lautet, einheitliche Standards zu fördern, gezielt pädagogisch zu unterstützen und frühkindliche Angebote auszubauen. Zwar berücksichtigten die Länder bei finanzpolitischen Maßnahmen zunehmend Aspekte der Chancengerechtigkeit, dies sei aber nicht universell verankert. In der Bewertung verschiedener Finanzierungsmechanismen zeigt der Bericht, dass Programme für Schulmahlzeiten der robusteste und am weitesten verbreitete Hebel für mehr Chancengerechtigkeit ist.
Schulmahlzeiten größter Hebel
Die besondere Bedeutung von Schulverpflegung sieht die UNESCO an der Schnittstelle von Bildung, Ernährung und sozialer Sicherung. So zeigt sich durch das Angebot von Schulmahlzeiten beispielsweise eine längere Bildungsdauer. 2025 gab es in etwa 84 % der Länder Programme für Schulmahlzeiten, größtenteils finanziert durch die jeweiligen Bildungsministerien (75 %). Schätzungen zufolge profitiert weltweit knapp jedes 3. Grundschulkind (29 %) von kostenlosem oder bezuschusstem Schulessen unabhängig vom Einkommen der Länder. Bezogen auf die Einkommenskategorien der Länder stellt sich die Reichweite so dar: In Ländern mit niedrigem Einkommen sind es 27 %, in Ländern mit niedrigem mittlerem Einkommen 18 %, in Ländern mit hohem mittlerem Einkommen 39 % und 45 % in Ländern mit hohem Einkommen.
Schulessen als Beitrag zur Chancengerechtigkeit
In Bildungseinrichtungen ist Schulverpflegung ein Beitrag zur Chancengerechtigkeit für alle Kinder und kann damit als Teil einer umfassenderen Bildungsinfrastruktur verstanden werden. Der Bericht macht deutlich, dass Chancengerechtigkeit gezielte Unterstützung und eine an Benachteiligungen orientierte Ressourcenverteilung erfordert – Schulessen kann dabei ein Baustein sozial gerechter Bildungsbedingungen sein.
Quellen
- UNESCO-Weltbildungsbericht 2026 (deutschsprachige Fassung; englischsprachige Fassung)
- UNESCO Pressemeldung vom 22.09.2026
- Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: UNESCO-Weltbildungsbericht: Bildungsgerechtigkeit bleibt zentrale Herausforderung