Kinderarmut: Mehr Einsatz für Bildung, Teilhabe und Gesundheit notwendig
Ein UNICEF-Vergleich zum kindlichen Wohlbefinden zeigt: Deutschland liegt nur im unteren Mittelfeld und schöpft seine Möglichkeiten nicht aus. Zugleich stagniert die Quote der Kinderarmut. UNICEF fordert deshalb mehr Einsatz, etwa die konsequente Umsetzung der EU-Kindergarantie. Die EU-Kommission will diese im Rahmen der ersten EU-weiten Armutsstrategie stärken und Mitgliedstaaten stärker verpflichten.
Der UNICEF-Report zeigt, dass insbesondere ökonomische Ungleichheit das Wohlbefinden von Kindern beeinträchtigt. Je stärker die ökonomische Ungleichheit ausgeprägt ist, desto negativer wirkt sich das auf die körperliche und mentale Gesundheit von Kindern sowie auf ihre schulischen Kompetenzen aus.
Zentrale Ergebnisse im Überblick:
- Kinderarmut: Die für Deutschland ermittelte Quote liegt im Länder-Mittelfeld und stagniert bei 15,2 %.
- Kinder aus benachteiligten Familien leben häufiger unter Bedingungen, die gesundes Aufwachsen erschweren. Für Deutschland zeigt sich, dass Kinder und Jugendliche aus materiell schlechter gestellten Familien seltener frühstücken und seltener Obst oder Gemüse essen.
- Einkommensschwächere Familien sind eher von Ernährungsunsicherheit betroffen, ihr Zugang zu gesundheitsförderlichen Lebensmitteln ist eingeschränkter; sie leisten sich eher energiedichte Lebensmittel mit geringerer Nährstoffdichte. Für etwa ein Viertel der 5- bis 19-Jährigen in Deutschland (25,4 %) weist der Report Übergewicht aus.
- Nur 60 % der 15-Jährigen erreichen die Mindestkompetenzen in Lesen und Mathematik. Damit liegt Deutschland auf Platz 34 von 41 Ländern mit vergleichbaren Bildungsdaten. Auch hier zeigt sich ein deutlicher sozioökonomischer Zusammenhang: Unter den Jugendlichen aus benachteiligten Familien erreichen nur 46 % die grundlegenden Kompetenzen, während dies 90 % der Jugendlichen aus einkommensstärkeren Familien schaffen.
Kinderarmut wirksam bekämpfen – EU-Kinderstrategie verbindlich umsetzen
Mit gezielten politischen Maßnahmen sollen Länder Kinderarmut effektiv und kurzfristig senken, fordert UNICEF. Für Deutschland empfehlen die Fachleute ein ressortübergreifendes Maßnahmenpaket und gezielte Investitionen zur finanziellen Absicherung von Kindern und Familien. Die Folgen von Einkommensungleichheit müssen abgefedert werden, so UNICEF, beispielsweise durch gezielte Unterstützung bei den Wohnkosten oder durch gutes und bezahlbares Mittagessen in den Schulen. Der Nationale Aktionsplan „Neue Chancen für Kinder in Deutschland“, der die Umsetzung der EU-Kindergarantie in Deutschland sicherstellen soll, müsse zu einer verbindlichen Strategie werden, so eine weitere zentrale Forderung.
„Wer heute nicht in Teilhabe, Bildung und gesundheitliche Versorgung der jüngsten Generation investiert, schadet nicht nur den Kindern, sondern zahlt morgen einen hohen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Preis.“
EU stärkt Kindergarantie
Damit Armut EU-weit bekämpft werden kann, hat die Europäische Kommission erstmals eine EU-Armutsstrategie erarbeitet. Zum Maßnahmenpaket gehört unter anderem die Stärkung der bereits seit 2021 geltenden EU-Kindergarantie (EU Child Guarantee). Der Sozialplan sieht beispielsweise vor, den Zugang zu Schulmahlzeiten zu verbessern. Hier arbeitet die Kommission mit der School Meals Coalition zusammen, die Schulessen als eine der wirksamsten Maßnahmen zur Bekämpfung von Armut betrachtet. Außerdem ist geplant, den Finanzrahmen für das EU-Schulobstprogramm und für den Europäischen Sozialfond (ESF+) auszuweiten. Stärker als bisher sollen die Mitgliedsstaaten in die Pflicht genommen werden, die EU-Kindergarantie tatsächlich umzusetzen, etwa durch verbindlichere Vorgaben, klarere Zielsetzungen und bessere Kontrolle.
Quellen
- Pressemeldung UNICEF vom 17. Mai 2026: UNICEF-Studie zum Wohlbefinden von Kindern: Deutschland schneidet erneut unterdurchschnittlich ab
- Pressemitteilung der Europäischen Kommission vom 6. Mai 2026: Gegen Armut und Ausgrenzung: EU-Kommission legt Sozialplan vor
- Europäische Commission: Communication on a strengthened European Child Guarantee