Ein kleiner Junge sitzt auf einer Parkbank und trinkt ein Süßgetränk.
Quelle: AdobeStock © Vadim
News

Aktueller Forschungsstand: Wie wirksam sind Steuern auf Süßgetränke?

Wissenschaftler*innen ordnen in einem Schwerpunktartikel in der Fachzeitschrift ErnährungsUmschau den aktuellen Forschungsstand zur Wirksamkeit einer Abgabe auf Süßgetränke ein. Ihr Fazit: Regelmäßiger Konsum von Süßgetränken hat negative gesundheitliche Auswirkungen. Abgaben darauf können Konsum und Zuckeraufnahme wirksam reduzieren.

Der vom Bundesministerium für Gesundheit Ende April 2026 vorgestellte Entwurf für ein Beitragssatzstabilisierungsgesetz für die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) sieht die Einführung einer Abgabe auf zuckergesüßte Getränke ab dem Jahr 2028 vor, orientiert an der britischen Herstellerabgabe. Ziel ist, Anreize für Produktrezepte mit geringerem Zuckergehalt zu setzen. Es wird mit jährlichen Einnahmen im Umfang von ca. 450 Millionen Euro gerechnet, die etwa für Angebote zur Primärprävention genutzt werden sollen. Mittel- bis langfristig werden durch die gesundheitlichen Effekte bzw. durch die Absenkung von Krankheitslast und Krankheitskosten Einsparungen für die GKV im Umfang von 20 bis 170 Millionen Euro pro Jahr erwartet. 

Wie die Fachleute den Forschungsstand einordnen:

  • Auswirkungen von Süßgetränken auf die Gesundheit: Die negativen Auswirkungen eines regelmäßigen Konsums von zuckergesüßten Erfrischungsgetränken („Süßgetränke“) auf die Gesundheit sind wissenschaftlich eindeutig belegt. Ein regelmäßiger Konsum führt zu einer Zunahme des Körpergewichts und des Adipositasrisikos bei Kindern und Erwachsenen. Es zeigt sich ebenfalls ein deutlich erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
  • Auswirkungen von Abgaben: Weltweit haben mehr als 100 Länder Abgaben auf Süßgetränke eingeführt, darunter viele EU-Länder. Zahlreiche Studien zeigen eine wirksame Reduzierung des Konsums. Abgaben, die nach der Höhe des Zuckergehaltes gestaffelt sind, setzen ebenfalls Anreize zur Reduktion des Zuckergehaltes durch die Hersteller. So zeigte sich in Großbritannien ein deutlicher Rückgang des Anteils an Süßgetränken mit einem Zuckergehalt von über 5 g/100 ml um mehr als 30 %. Ebenso zeigt eine Mehrheit der Studien, die sich mit Einflussfaktoren auf die Adipositasprävalenz befasst hat, eine tendenzielle Verringerung der Prävalenz von Übergewicht und Adipositas, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Die WHO rät, dass eine Reduktion des Zuckergehaltes (z. B. zur Senkung des Risikos für ernährungsmitbedingte Erkrankungen) nicht durch die Verwendung von Süßungsmitteln ausgeglichen werden sollte. 

Abgaben auf Süßgetränke als Teil einer umfassenden Präventionsstrategie

Um die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas zu senken, ist die geplante Abgabe zwar ein wichtiger und zentraler Baustein, die Wissenschaftler*innen fordern aber eine umfassende Strategie mit weiteren Präventionsmaßnahmen. Zu diesen zählen sie unter anderem eine Verbesserung von Verpflegungs- und Bewegungsangeboten in Kitas und Schulen, eine Mehrwertsteuerbefreiung für Obst und Gemüse und eine Begrenzung von Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder richtet.

Kita- und Schulverpflegung ist Primärprävention

Eine gesunde und ausgewogene Kita- und Schulverpflegung, zu der auch ein Trinkwasserangebot gehört, fördert frühzeitig und langfristig gesunde Ess- und Trinkgewohnheiten. Sie kann daher als verhältnispräventive Maßnahme der Primarprävention zugeordnet werden. Obwohl sich der Anteil der Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren, die täglich zuckerhaltige Erfrischungsgetränke konsumieren, in den letzten Jahren verringert hat, bewerten Fachleute den Konsum als immer noch zu hoch. So trinken fast 16 % diese Getränke ein- bis dreimal am Tag, weitere 4 % sogar viermal und häufiger am Tag. Die Konsumhäufigkeit steigt mit dem Alter an. Kinder und Jugendliche mit niedrigem sozioökonomischen Status (SES) trinken diese Getränke häufiger als Gleichaltrige mit einem höheren SES. 

Trinkwasser möglichst kostenfrei in Kita und Schule

Der beobachtete Rückgang im Konsum steht nach Auffassung der Wissenschaftler*innen auch in Zusammenhang mit unterschiedlichen präventiven Maßnahmen, unter anderem der Verbesserung des Angebots von Trinkwasser als Alternative zu Süßgetränken in Schulen und Kindertagesstätten. Die DGE empfiehlt, dass den Kindern und Jugendlichen während des gesamten Betreuungs- bzw. Schultags, auch während des Unterrichts und zu allen Mahlzeiten, Trinkwasser möglichst kostenfrei zur Verfügung steht. Das Angebot von zuckerhaltigen Softgetränken, insbesondere in den Kiosken vieler weiterführender Schulen, sollte durch attraktive Trinkbrunnen ersetzt werden. 

Quellen

Lesenswertes zur News