Studie warnt: Bis 2050 könnte jedes dritte Kind weltweit übergewichtig sein
Trotz wissenschaftlich belegter Folgen und Risiken von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter sind koordinierte präventive Maßnahmen nach wie vor unzureichend, und das weltweit. Zu diesem Schluss kommt eine Modellierungsstudie, die beunruhigende Zahlen prognostiziert: Sollten aktuelle Trends anhalten, ist bis zum Jahr 2050 etwa ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen übergewichtig oder adipös.
In ihrer Studie haben australische Wissenschaftler*innen aktuelle Schätzungen zu weltweiten Prävalenzen von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter vorgenommen und daraus Prognosen bis zum Jahr 2050 abgeleitet. Die Berechnungen sollen eine datenbasierte und damit fundierte Grundlage für Interventionsstrategien liefern.
Ihre Analyse basiert auf Daten der „Global Burden of Diseases, Injuries, and Risk Factors Study 2021“, einer umfassenden weltweiten epidemiologischen Beobachtungsstudie, die Daten zu Krankheiten und deren Risikofaktoren erfasst. Die Studie deckt 204 Länder und Territorien ab und analysiert Entwicklungen über einen 30-Jahres-Zeitraum (1990 bis 2021).
Prävalenz von Übergewicht hat sich verdoppelt
Im Jahr 2021 waren weltweit etwa 18 % der 5- bis 14-Jährigen und 20,3 % der 15- bis 24-Jährigen übergewichtig oder fettleibig; das entspricht insgesamt 493 Millionen jungen Menschen. Damit hat sich zwischen 1990 und 2021 die weltweite Prävalenz von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen verdoppelt, die Prävalenz allein von Adipositas sogar verdreifacht. Die stärksten Zuwächse sowohl für Übergewicht als auch für Adipositas verzeichneten die Wissenschaftler*innen in Nordafrika und im Nahen Osten, in Lateinamerika und der Karibik sowie in Ländern mit hohem Einkommen wie Nordamerika, Zentral- und Osteuropa und Zentralasien.
Prognostizierte Entwicklung bis 2050
Sollten sich die aktuellen Trends fortsetzen, gehen die Fachleute davon aus, dass bis 2050 etwa ein Drittel aller Kinder und Jugendlichen weltweit übergewichtig oder adipös ist. Das entspräche 746 Millionen jungen Menschen (356 Millionen Kindern im Alter von 5–14 Jahren, 390 Millionen Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 15–24 Jahren). Es wird erwartet, dass die jüngere Altersgruppe (5 – 14 Jahre) stärker betroffen sein wird, ebenso männliche Jugendliche und junge Erwachsene. Geographisch wären Regionen wie Nordafrika und Naher Oster sowie Lateinamerika und die Karibik besonders betroffen, da der Anstieg der Prävalenz mit hohen Bevölkerungszahlen und begrenzter Ressourcen einhergeht. Es gibt keine Anzeichen, dass sich der Anstieg der Prävalenz von Adipositas abflacht oder sich regional vor 2050 auf hohem Niveau stabilisiert.
Verheerende Auswirkungen auf alle Systeme
Die daraus resultierende Belastung für Gesundheits-, Sozial-, Umwelt- und Wirtschaftssysteme weltweit bezeichnen die Fachleute als verheerend. Die Krankheitslast dieser jungen Bevölkerungsgruppe bzw. der künftigen Erwerbsbevölkerung wird enormen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung haben. Auf individueller Ebene haben Übergewicht und Adipositas unmittelbar Auswirkungen auf das Leben dieser Kinder und Jugendlichen bis ins Erwachsenenalter. Um diese epidemische Entwicklung aufzuhalten, fordern die Wissenschaftler*innen unmittelbare Interventionen zunächst bis 2030.
Schnelle und wirksame Intervention: Flächendeckende Schulmahlzeiten
Als eine Art Sofortmaßnahme nennen die Wissenschaftler*innen flächendeckende und staatlich finanzierte Schulverpflegungsprogramme, die sich bereits als wirksames Mittel zur Erreichung sektorübergreifender Ziele (z. B. Bildung, nachhaltige Lebensmittelproduktion und Landwirtschaft, Gesundheits- und Klimaschutz) erwiesen haben. Als Strategie könnten solche Programme schneller und noch bis 2030 implementiert werden, bevor weitere erforderliche infrastrukturelle und finanzpolitische Maßnahmen (z. B. Steuer auf gesüßte Softgetränke) greifen könnten.
Quelle
- Kerr J, Patton G, Cini K et al.: Global, regional, and national prevalence of child and adolescent overweight and obesity, 1990–2021, with forecasts to 2050: a forecasting study for the Global Burden of Disease Study 2021, The Lancet, 2025; 405, 785-812