WHO fordert Steuer auf zuckerhaltige Getränke
Die WHO ruft Regierungen weltweit nachdrücklich dazu auf, zuckerhaltige Getränke mit Steuern zu belegen. Derzeit befördern in vielen Ländern niedrige Steuersätze den Konsum, was insbesondere bei Kindern und jungen Erwachsenen Übergewicht, Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen begünstigt.
Als ein erhebliches globales Gesundheitsproblem bezeichnet die World Health Organization (WHO) die weltweit hohe Prävalenz von Adipositas. Laut den jüngsten Zahlen der Leopoldina (Nationale Akademie der Wissenschaften) ist in Deutschland jedes sechste Kind übergewichtig oder sogar stark übergewichtig. Bei Erwachsenen betrifft es rund zwei Drittel der Männer und etwa die Hälfte der Frauen. Die Rede ist von einer „Adipositas-Epidemie“.
Alles andere als harmlos
In der Wissenschaft gilt in diesem Zusammenhang seit langem eine besondere Aufmerksamkeit der Aufnahme von freiem Zucker bzw. dem Konsum von zuckerhaltigen Soft- oder Erfrischungsgetränken. Diese können erheblich zum übermäßigen Konsum von Zucker beitragen. So können marktübliche Limonaden oder Erfrischungsgetränke bis zu 10 g Zucker (oder mehr) je 100 ml enthalten. Mit Packungsgrößen von etwa 330 bis 500 ml decken viele Getränke damit bereits die maximal empfohlene Zuckermenge pro Tag für Kinder und Jugendliche.
Hoher Konsum ohne zusätzlichen Nährwert
In vielen Ländern gehören zuckerhaltige Erfrischungsgetränke zu den Hauptquellen für die Aufnahme von freiem Zucker, bieten jedoch kaum bis gar keinen zusätzlichen Nährwert, konstatiert die WHO in ihrem „Global report on the use of sugar-sweetened beverages taxes“. Dagegen steht der Konsum in Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht und Adipositas und damit einhergehenden Krankheiten wie wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Karies und Osteoporose. Zwischen 2013 und 2024 hat der globale Konsum um 14 % zugenommen. In Deutschland trinken etwa 14 % der Mädchen und 18 % der Jungen ein- bis dreimal und 3,3 % der Mädchen bzw. 4,7 % der Jungen viermal oder häufiger am Tag zuckerhaltige Erfrischungsgetränke. Die Konsumhäufigkeit steigt mit zunehmendem Alter und ist bei Kindern und Jugendlichen mit niedrigem sozioökonomischen Status (SES) signifikant höher als bei Gleichaltrigen mit hohem SES.
Zuckersteuer = Gesundheitssteuer
Die WHO bemängelt, dass schwache Steuersysteme dazu führen, dass solche Getränke preisgünstig erworben werden können, während gleichzeitig Gesundheitssysteme aufgrund vermeidbarer Erkrankungen zunehmend unter finanziellen Druck geraten. Deshalb sei eine Gesundheitssteuer auf solche Getränke die stärkste Maßnahme zur Gesundheitsförderung und zur Prävention. Auch die Leopoldina empfiehlt in ihrem aktuellen Policy Brief regulatorische Maßnahmen wie Abgaben auf stark zucker- oder fetthaltige Lebensmittel und verweist auf die hohe Wirksamkeit in Ländern, die bereits solche Maßnahmen umgesetzt haben.
Quellen
- Pressemeldung der WHO vom 13. Januar 2026
- WHO Global report on the use of sugar-sweetened beverage taxes, 2025
- Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaft: Policy Brief zu Prävention und Therapie von Adipositas vom 21.01.2026
- Verbraucherzentrale: Zu viel Zucker in Erfrischungsgetränken
- Mensink GBM, Schienkiewitz A, Rabenberg M, Borrmann A, Richter A et al. (2018) Konsum zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends. Journal of Health Monitoring 3(1): 32–39. DOI 10.17886/RKI-GBE-2018-007