Viele Jugendliche greifen beim Schulessen lieber zu Snacks
Während eines Schultages bevorzugen viele Jugendliche hauptsächlich süße und herzhafte Snacks, weniger das als Tellergericht angebotene Schulessen. Eine britische Studie zeigt signifikante Zusammenhänge zwischen der Lebensmittel- und Getränkeauswahl und dem Alter sowie dem Anspruch auf kostenlose Schulmahlzeiten.
Untersucht wurde das Auswahlverhalten von 11- bis 18-jährigen Kindern und Jugendlichen in der Schulmensa einer weiterführenden Schule im Norden Englands. Über ein Schuljahr hinweg (187 Schultage) protokollierten Wissenschaftler*innen die Lebensmittelauswahl von 857 Schüler*innen. Der damit zur Verfügung stehende Datensatz umfasste etwa 270.000 Kauf- bzw. Auswahlvorgänge (Transaktionen) für 104 verschiedene Lebensmittel und Getränke inklusive der Auswahl des Schulessens als Tellergericht.
Die Schule befand sich in einem städtischen Gebiet mit einer moderaten Anzahl von Imbiss- und Snackangeboten in der Umgebung. Es bestand eine schulische Richtlinie, die den Schüler*innen das Verlassen des Schulgeländes während der Pausen verbot. Die Schulmensa wurde von einem Caterer betrieben, betrachtet wurde der gesamte Schultag inklusive aller Pausenzeiten. Ein Fünftel der Schüler*innen hatte Anspruch auf kostenlose Schulmahlzeiten.
Anhand der Lebensmittel- und Getränkeauswahl ordneten die Wissenschaftler*innen die Kinder und Jugendlichen eindeutig fünf Clustern zu, die sie anhand der dominierenden Produktauswahl charakterisierten:
- „Sandwich-Kombi-Fans”
- „Pausensnacker”
- „Süße Backwaren-Liebhaber“
- „Pizza-Liebhaber”
- „Gesunde Mittagesser”
„Healthy luncher“ am wenigsten vertreten
- Das größte Cluster, die Sandwich-Kombi-Fans, machte 40 % aller Schüler*innen aus und zeichnete sich durch eine hohe Auswahl an Sandwiches, Getränken, Keksen und süßen Backwaren aus. Das kleinste Cluster waren die gesunden Mittagesser (2 %), deren Auswahl überwiegend aus dem als Tagesgericht angebotenen Schulessen bestand. Die Anteile der Schüler*innen auf die restlichen Cluster verteilen sich so: Pausensnacker (23 %), Backwaren-Liebhaber (19 %), Pizza-Liebhaber (17 %).
- Der Anteil der Schüler*innen mit Anspruch auf kostenlose Schulmahlzeiten war in den Clustern “Gesunde Mittagesser” (39 %) und „Sandwich-Kombi-Fans“ (36 %) am höchsten.
- Von allen Lebensmittelkategorien wurden Kekse und süße Backwaren täglich am häufigsten ausgewählt, gefolgt von herzhaften Snacks (355 bzw. 249 Transaktionen täglich).
- Wasser und fruchtsaftbasierte Getränke wurden täglich am häufigsten gewählt (146 bzw. 140 Transaktionen/Tag). Pure Fruchtsäfte und Milch wurden selten/so gut wie nie gewählt.
- Es zeigte sich, dass jüngere Schüler*innen die Mensa häufiger nutzten als ältere. So tätigten beispielsweise die 11- bis 12-Jährigen mehr als ein Viertel (30 %) aller Transaktionen, während dies nur zu 16 % auf 14- bis 15-Jährige zutraf.
Rahmenbedingungen können Lebensmittelauswahl beeinflussen
Die Fachleute erklären die Dominanz der Auswahl von süßen und herzhaften Snacks insbesondere damit, dass diese bequem und schnell zu konsumieren sind. Die Gründe vermuten sie in organisatorischen Rahmenbedingungen: Kurze Pausenzeiten von 20 bis 30 Minuten motivieren Schüler*innen aufgrund von Zeitmangel eher nicht, ein Tellergericht zu wählen. Weitere Einflussfaktoren auf die Lebensmittelwahl könnten lange Warteschlangen oder ein unzureichendes Sitzplatzangebot in der Mensa sein. Mit Besorgnis bewerten sie daher das Ergebnis, dass sich die wenigsten Schüler*innen der Gruppe der “Healthy luncher” zuordnen ließen bzw. die untergeordnete Rolle des Tages- oder Tellergerichts in den restlichen Clustern, denn diese Menüangebote weisen wahrscheinlich ein günstigeres Nährwertprofil auf. Die signifikanten Zusammenhänge zwischen dem Anspruch auf kostenloses Schulessen und der Zuordnung insbesondere zu zwei Clustern sollten aus Sicht der Autor*innen weiter untersucht werden. Möglicherweise zeigten sich hier Zusammenhänge zur Preisgestaltung in der Schulmensa.
Quelle
- P. Mwithaga, M. Holmes, H. Ensaff, Adolescents’ food choice patterns at school: A data driven approach, Appetite, Volume 222, 2026, 108498, ISSN 0195-6663, https://doi.org/10.1016/j.appet.2026.108498
Weiterführende Informationen
- Schulverpflegungs-Richtlinien in Großbritannien