Schulessen: Der Einfluss von Altersunterschieden auf das jugendliche Essverhalten
Innerhalb eines Schuljahrgangs wirken Altersunterschiede auf das Ernährungsverhalten: Jüngere Schüler*innen weisen häufiger schlechtere Ernährungsgewohnheiten auf als ihre etwas älteren Mitschüler*innen. Das hat eine Studie der Universität Trier anhand eines Datensatzes von über 600.000 europäischen Kindern und Jugendlichen gezeigt.
Im Vergleich zu den älteren Schüler*innen eines Jahrgangs sind die Jüngeren häufiger übergewichtig, konsumieren mehr Süßigkeiten und Softdrinks und verzehren weniger Obst und Gemüse. Sie lassen außerdem an Wochentagen häufiger das Frühstück aus und machen öfter eine Diät. Diese Effekte spiegeln die Position der Kinder innerhalb der Altersverteilung ihrer jeweiligen Altersgruppe wider: Zwei Schüler*innen gleichen absoluten Alters, die in derselben Jahreszeit geboren und zur gleichen Zeit eingeschult wurden, zeigen unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten, je nachdem, wie ihr Alter im Vergleich zu dem ihrer Mitschüler*innen ist (relatives Alter).
Jüngere haben schlechtere mentale und körperliche Gesundheit
Bekannt ist, dass das relative Alter von Kindern und Jugendlichen weitreichende Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden hat, erklären die Wissenschaftler*innen zum Ausgangspunkt ihrer Studie. Jüngere eines Jahrgangs leiden eher an mentalen Problemen, zeigen eine geringere Lebenszufriedenheit und weisen eine schlechtere körperliche Gesundheit auf. Mit der Studie konnten die Fachleute diesen Effekt auch in Bezug auf das Essverhalten belegen. Für ihre Auswertung nutzten sie Daten der Health Behaviour in School-Aged Children-Studie (HBSC), mit der seit 1982 in vierjährigen Erhebungswellen international vergleichbare und repräsentative Gesundheits- und Bewegungsdaten von Kindern und Jugendlichen von mehr als 50 Ländern aus Europa und Nordamerika erfasst werden.
Regelmäßiges Schulessen verringert Einfluss
In ihrer Studie untersuchten die Fachleute auch, ob sich die Alterseffekte in bestimmten Merkmalen voneinander unterscheiden, z. B. bezogen auf den sozio-ökonomischen Status (SES), das Geschlecht oder die Verfügbarkeit von Schulmahlzeiten.
- Mit wenigen Ausnahmen zeigten sich die Auswirkungen des relativen Alters auf das Ernährungsverhalten über alle sozio-ökonomischen Gruppen hinweg gleich (niedriger, mittlerer und hoher SES).
- Männliche Kinder und Jugendliche waren eher anfällig für relative Alterseffekte. Beim objektiven Übergewicht haben die Jüngsten eine um etwa 2 % höhere Wahrscheinlichkeit übergewichtig zu sein als die Ältesten, und hier Jungen stärker als Mädchen.
- Das relative Alter hat so gut wie keinen Einfluss auf die Ernährungsgewohnheiten von Schüler*innen, wenn die Schulen alle Kinder und Jugendlichen regelmäßig mit Schulessen versorgen.
Plädoyer für die Schulmensa
Zusammenfassend halten die Fachleute fest, dass jüngere Schüler*innen schlechtere Ernährungsgewohnheiten haben als Ältere ihres Jahrgangs. Als Gründe dafür vermuten sie unter anderem einen größeren sozialen Druck – Jüngere könnten zum Beispiel das von älteren Mitschüler*innen vorgelebte ungesunde Verhalten übertrieben nachahmen. Es ist deshalb wichtig, Eltern und Lehrkräfte für relative Alterseffekte zu sensibilisieren, lautet die Empfehlung. Außerdem zeige die Studie auch, dass die Effekte in Ländern mit flächendeckenden Schulmahlzeiten weniger ausgeprägt ausfallen. Um diese Benachteiligungen auszugleichen, sollte die Ausweitung von Schulverpflegungsprogrammen bei Entscheidungsträger*innen Priorität haben.
Quellen
- Luca Fumarco, Sven A. Hartmann, Francesco Principe, Influence of within-class age differences on adolescents’ eating behaviors, Economics of Education Review, Volume 110, 2026, 102756, ISSN 0272-7757, https://doi.org/10.1016/j.econedurev.2025.102756
- Pressemitteilung der Universität Trier vom 10.02.2026: Zusammenhang von Geburtsmonat und Essverhalten