Unerwartete Schließungen in der Kindertagesbetreuung: Eltern zweifeln an Qualität
Wenn Fachkräfte fehlen oder krank sind, kommt es in Kindertageseinrichtungen häufig zu unerwarteten Schließtagen. Auswertungen repräsentativer Daten der Studie zur Kindertagesbetreuung (KiBS) des Deutschen Jugendinstituts (DJI) zeigen: Eltern, die kurzfristige Betreuungsausfälle erleben, zweifeln eher an der Qualität ihrer Einrichtung.
Nach der Kinderbetreuungsstudie des DJI waren 43 % aller Familien mit Kita-Kindern im Alter von einem Jahr bis zum Schuleintritt in den Jahren 2023/24 von Schließungen betroffen. Bei rund 13 % summierten sich die Schließungen im laufenden Kita-Jahr auf mehr als eine Woche. Auch Daten einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung belegen diese Situation für viele Eltern. Die Studie befragte ausschließlich erwerbstätige oder arbeitssuchende Eltern, die eine Kinderbetreuung in Kita, Kindertagespflege oder in schulischer Ganztagsbetreuung nutzen: 54 % gaben an, an einem oder mehreren Tagen mit Kürzungen der Betreuungszeiten und/oder sogar kurzfristigen Schließungen der Einrichtung konfrontiert gewesen zu sein (2025).
Je mehr Schließtage, desto schlechter die wahrgenommene Qualität
Je mehr Schließtage die Eltern insgesamt überbrücken mussten, desto negativer bewerteten sie die Qualität der Einrichtung. Ihre Qualitätseinschätzungen beruhten auf subjektiven Bewertungen zu mehreren Aspekten, z. B. zur Beziehungsqualität zwischen Eltern und Fachkräften, zur wahrgenommenen Kompetenz der Fachkräfte, zu den Interaktionserfahrungen des Kindes oder zur Zufriedenheit mit Personalausstattung und Öffnungszeiten. Zudem weisen die Daten darauf hin, dass Eltern, die (noch) keine Angebote der Kindertagesbetreuung nutzen, immer häufiger Qualitätsbedenken als Begründung für die Nicht-Nutzung anführen, so das DJI.
Familien mit Migrationsgeschichte besonders betroffen
Nicht alle Familien erleben Betreuungseinschränkungen im gleichen Ausmaß. Familien mit Einwanderungsgeschichte berichteten häufiger von ungeplanten Schließungen im Umfang von bis zu einer Woche als von solchen, die sich auf mehr als eine Woche im laufenden Kita-Jahr summierten. Damit lagen sie im Schnitt um 10 Prozentpunkte über dem Durchschnitt aller Familien. Bei Schließungen von mehr als einer Woche verdoppeln bis verdreifachen sich die Effektstärken gegenüber kürzeren Schließungen, erklären die Fachleute.
„Studien zeigen, dass Familien mit Risikofaktoren häufiger in Stadtteilen mit weniger Kitas leben. Auch unsere Daten legen nahe, dass der Personalmangel gerade dort besonders spürbar ist, wo vulnerable Familien konzentriert leben.“
Qualitätsbedenken zur Kindertagesbetreuung nehmen deutlich zu
Bei den Nicht-Nutzungsgründen von Angeboten zur Kindertagesbetreuung weisen die Autor*innen auf zunehmende Differenzen hin: Nachfrageseitige Vorbehalte – insbesondere der Wunsch nach Selbsterziehung – sinken gruppenübergreifend, während angebotsseitige Barrieren steigen. So haben immer mehr Familien ohne Risikofaktoren Qualitätsbedenken im Sinne einer befürchteten unzureichenden Förderung aufgrund mangelnder pädagogischer Qualität. Im Krippenbereich hat sich ihr Anteil im Fünf-Jahres-Zeitraum mehr als verdoppelt (um rund 6 % auf 17 %). Gleichzeitig steigt der Anteil der Familien mit Einwanderungsgeschichte, die fehlende Angebote als Grund der Nicht-Nutzung nennen, um 16 %.
Geburtenrückgang führt nicht zur gleichberechtigten Entlastung
Gerade jene Kinder, die von früher Förderung am stärksten profitierten, stießen trotz sinkender Vorbehalte auf wachsende Zugangshürden, resümiert das DJI und warnt, dass trotz rückläufiger Kinderzahlen und weiter wachsendem Personal die Beteiligungsquoten in unterversorgten Regionen nicht entsprechend steigen könnten. Der vermutete Grund: Die demografische Entlastung könnte vor allem die Auswahlmöglichkeiten qualitätsbewusster Familien (die über entsprechende Ressourcen verfügen) verbessern, während vulnerable Gruppen weiterhin auf Angebote mit geringerer Qualität verwiesen würden – der Geburtenrückgang würde so bestehende Segregationsmuster eher verschärfen als auflösen.
Quellen
- idw Informationsdienst Wissenschaft: Unerwartete Kita-Schließungen gehen mit Zweifeln an der Qualität einher
- idw Informationsdienst Wissenschaft: 54 Prozent der erwerbstätigen Eltern mit Schließungen oder verkürzten Zeiten bei Kinderbetreuung konfrontiert