Jugendliche Schülerin hält Schulheft in der Hand.
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Mehr Jugendliche zum kostenlosen Schulessen motivieren

Das kostenlose Schulverpflegungsprogramm in Brasilien versorgt täglich über 40 Millionen Kinder. Besonders für armutsbetroffene Kinder ist diese Versorgung wichtig. Während die Teilnahme in unteren Klassen hoch ist, sinkt sie ab 12 Jahren deutlich ab, auf etwa 43 %. Eine Studie zeigt: Mit gezielten Maßnahmen lässt sich die Teilnahme um bis zu 30 % steigern.

Das kostenlose Schulverpflegungsprogramm in Brasilien ist eines der ältesten Programme weltweit. Es wurde konzipiert, um insbesondere einkommensschwache Familien zu unterstützen und um Fehl- und Mangelernährung bei Kindern und Jugendlichen zu bekämpfen. 2019 hat eine nationale Erhebung gezeigt, dass die Teilnahmequoten ab der 7. Klasse (ab etwa 12 Jahren) bis zum Schulabschluss (mit etwa 18 Jahren) deutlich auf etwa 43 % sinkt. Das gefährde die Zielsetzung und die volle Wirkung des Programmes, so Wissenschaftler*innen der Universität in Rio de Janeiro.

Multifaktorielles Problem

Die unzureichende Akzeptanz deutet aus Sicht der Wissenschaftler*innen auf ein multifaktorielles Problem: eine negativ wahrgenommene sensorische Qualität der Speisen, zu wenig Abwechslung in Angebot und Speisenplanung sowie die allgegenwärtige Präsenz konkurrierender hochverarbeiteter Lebensmittel in und um Schulen, die die Ernährungsvorlieben der Jugendlichen prägen. Im Rahmen einer experimentellen Studie haben die Fachleute daher verschiedene Interventionen getestet, um die Akzeptanz und die Teilnahmequote zu erhöhen. Die Studie wurde 2019 über einen Zeitraum von acht Monaten in drei öffentlichen Schulen in einer Kleinstadt im Bundesstaat Rio de Janeiro mit zwei Interventions- und einer Kontrollgruppe (mit je 132 Schüler*innen) durchgeführt. Zu den Interventionen gehörten u.a.:

 

  • Fokusgruppeninterviews mit Schüler*innen und Mitarbeitenden der Schulküche, um Vorlieben und Teilnahmehindernisse zu erfahren. 
  • In beiden Interventionsschulen fanden Ernährungsbildungsaktionen statt, die zur gesünderen Wahl motivieren, z. B. Tischdecken mit Fotoimpressionen gesunder Lebensmittel, Obststand am Eingang zur Mensa, Banner mit Tagesmenü, Fußabdrücke auf dem Boden, die die Schüler*innen zum gesunden Menü leiten
  • In beiden Interventionsschulen wurde eine Ausgabetheke eingerichtet, die den Schüler*innen Selbstbedienung ermöglicht.
  • Für die 2. Interventionsschule wurden außerdem die Speisepläne überarbeitet, neue Zubereitungsarten angewendet und die Präsentation der Speisen ansprechender gestaltet. Dafür erhielten die Küchenmitarbeitenden entsprechende Fortbildungen.

Deutliche Akzeptanzsteigerung

Die Inanspruchnahme der kostenlosen Schulmahlzeiten konnte bei Jugendlichen deutlich gesteigert werden. Verglichen mit der Kontrollgruppe stieg die Akzeptanz in

 

  • Interventionsgruppe 1 (veränderte Umgebungsvariablen plus Selbstbedienung) um 20 %, 
  • Interventionsgruppe 2 (veränderte Umgebungsvariablen plus Selbstbedienung plus verbesserte Zubereitungs- und Angebotsverfahren) um 30 %. 

 

Dieser Erfolg unterstreicht das wichtige Zusammenspiel zwischen Entscheidungsmöglichkeiten und der Verbesserung von Geschmack und Attraktivität der Speisen, so die Fachleute. Die Ergebnisse sprechen dafür, genau das bei der Konzeption einer altersgerechten Schulverpflegung zu berücksichtigen. Nur so ließe sich das volle gesundheitsförderliche Potenzial solcher Programme bzw. von Schulverpflegung überhaupt ausschöpfen.

Quelle

  • Rafael Lavourinha Pinto, Valéria Troncoso Baltar, Bárbara da Silva Nalin de Souza, Rosely Sichieri, Diana Barbosa Cunha, Multicomponent intervention on adherence to school meals: results from a quasi-experimental study, Appetite, Volume 223, 2026, 108564, ISSN 0195-6663, https://doi.org/10.1016/j.appet.2026.108564

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