Kleinkind spielt in Kita mit Spielzeug am Tisch.
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Kindertagesbetreuung im demografischen Wandel

Mit der neuen Ausgabe des Fachkräftebarometers Frühe Bildung ordnen Wissenschaftler*innen des Deutschen Jugendinstitutes den Umbruch in der Frühen Bildung vor dem Hintergrund deutlich sinkender Geburtenzahlen ein. Die Publikation untersucht die Entwicklungen auf Ost-West- sowie Kreis- und Jugendamtsbezirksebene und identifiziert erste Anzeichen für bevorstehende Veränderungen, mit besonderem Blick auf Westdeutschland.

Das Fachkräftebarometer Frühe Bildung (FKB) ist ein Projekt der Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (WiFF) am Deutschen Jugendinstitut (DJI). Auf Basis amtlicher Daten liefern die Wissenschaftler*innen Informationen über Personal, Arbeitsmarkt, Erwerbssituation sowie Ausbildung und Qualifizierung unter anderem in der Frühpädagogik. 

Wie sich die Kindertagesbetreuung verändert

Über zwei Jahrzehnte war die Frühe Bildung in Deutschland von einem kontinuierlichen Ausbau geprägt, so die Wissenschaftler*innen einleitend: Es sind neue Einrichtungen und Betreuungsplätze entstanden, mehr Personal eingestellt und mehr Kinder betreut worden. Sinkende Geburtenzahlen verändern diese Ausgangslage. In Ostdeutschland gehe die Zahl der Geburten bereits seit 2017 zurück, in Westdeutschland zeichne sich eine ähnliche Entwicklung zeitversetzt ab. Damit stehe die Kita-Landschaft vor regional unterschiedlichen Veränderungen. Welche Folgen sich daraus ergeben und wo erste Anzeichen eines Umbruchs erkennbar sind, stellen die Wissenschaftler*innen in der aktuellen Publikation vor. Sie richten den Blick insbesondere auf Westdeutschland und analysieren neben der bundesweiten und regionalen Entwicklung auch kommunale Kita-Planungen. 

Zentrale Ergebnisse:

Entwicklung in Westdeutschland (2025) 

  • Die Zahl der unter Dreijährigen in Kindertageseinrichtungen sinkt erstmals um rund 4 Prozent, ebenfalls geht erstmals die Zahl der Ausbildungsanwärter*innen in der Erzieher*innenausbildung zurück. Erstmals stehen mehr arbeitslos gemeldete Erzieher*innen zur Verfügung als offene Stellen gemeldet sind. Gleichzeitig steigt die Zahl der Kindertageseinrichtungen leicht weiter an. Auch die Beschäftigtenzahlen und die Zahl der betreuten Kinder über drei Jahren wachsen noch. 
  • Der beginnende Umbruch zeige sich an einzelnen Kennzahlen, jedoch noch nicht als flächendeckende Trendwende. Demgegenüber sehen die Fachleute anhand der Entwicklung in Ostdeutschland den Weg, den die Kita-Landschaft vermutlich auch in Westdeutschland nehmen wird. In Ostdeutschland sinken Kinder-, Ein­richtungs- und Personalzahlen bereits.

 

Regionale Unterschiede auf Kreisebene

  • In der Betrachtung des Umbruchs auf Kreisebene schätzen die Wissenschaftler*innen die Entwicklung als regional sehr unterschiedlich ein. Sie verweisen auf eine stark kleinräumig geprägte Entwicklungsdynamik. 
  • Rückläufige U3-Kinderzahlen könnten den Bedarf an Betreuungsplätzen und Personal in vielen Kreisen zwar punktuell entlasten, doch würden damit bestehende Angebotsdefizite nicht automatisch behoben.
  • Die Expert*innen machen erste Verschiebungen am Arbeitsmarkt aus: Die Beschäftigtenzahlen steigen vielerorts noch, allerdings langsamer und mit unterschiedlichen regionalen Dynamiken. Gleichzeitig nehmen die Arbeitslosenzahlen im Bereich der Frühen Bildung zu, während die Zahl der gemeldeten offenen Stellen sinkt. 

 

Kommunale Bedarfsplanung für das Kita-Jahr 2026/27

Die kommunale Kita-Bedarfsplanung ist der amtlichen Statistik etwa zwei Jahre voraus. Am Beispiel Nordrhein-Westfalens untersuchten die Wissenschaftler*innen, ob die Bedarfsplanung der Jugendamtsbezirke bereits Anzeichen eines demografischen Umbruchs erkennen lässt.

  • Die kommunale Bedarfsplanung macht den demografischen Wandel früher sichtbar als die amtliche Statistik. In 17 von 25 untersuchten Jugendamtsbezirken in Nordrhein-Westfalen finden Ausbau und Rückbau gleichzeitig statt.
  • Entscheidend für den Rückbau ist weniger das Ausmaß des Geburtenrückgangs als der bereits erreichte Ausbaustand. Bezirke mit hoher U3-Versorgungsquote reduzieren zuerst ihre geplanten U3-Kindpauschalen. Bezirke mit niedriger Versorgungsquote halten ihre Planungen stabil oder bauen weiter aus.
  • Mit Blick auf aktuelle Planungsdaten konzentriert sich der Rückgang vorrangig auf die Kindertagespflege, die nach Auffassung der Fachleute die Hauptlast der Anpassung trägt. 

Fazit und Ausblick

Zusammenfassend halten die Fachleute fest: Je kleinräumiger die Betrachtung und je näher die Datenbasis an der Planungsebene liegt, desto deutlicher und früher zeigt sich der Umbruch der Kita-Landschaft auch in Westdeutschland. Der demografische Wandel betreffe zwar bislang vor allem den U3-Bereich, werde sich aber zeitversetzt auch auf die Betreuung älterer Kinder auswirken. Wie gut Kommunen diesen Wandel gestalten könnten, hänge unter anderem davon ab, ob die Finanzierung so weiterentwickelt wird, dass sie nicht nur Wachstum ermöglicht, sondern auch bei sinkenden Kinderzahlen tragfähig bleibe.

Quelle

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