Global Nutrition Report 2026: Klimawandel gefährdet Zugang zu gesunder Ernährung weltweit
Der Global Nutrition Report 2026 warnt vor den Folgen des Klimawandels für Ernährungssicherheit und Gesundheit. Extreme Wetterereignisse, steigende Lebensmittelpreise und geschwächte Gesundheitssysteme erschweren den Zugang zu gesunder Ernährung, besonders in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen. Der Bericht fordert ein besseres Zusammenspiel von Ernährungs-, Gesundheits- und Klimapolitik.
Der Global Nutrition Report (GNR) stellt eine weltweite unabhängige Bestandsaufnahme zur globalen Ernährungslage dar, erstellt durch eine Stakeholder-Initiative aus Mitgliedern von Regierungen, Zivilgesellschaft, multilateralen Organisationen, Wirtschaft und Wissenschaft. Der GNR wurde 2014 im Anschluss an den ersten „Nutrition for Growth“-Gipfel ins Leben gerufen, um die Fortschritte bei der Erreichung globaler Ernährungsziele zu verfolgen. Im Jahr 2021 stellte die GNR das „Nutrition Accountability Framework“ (NAF) vor, eine weltweit unabhängige Plattform zur Überwachung der Ernährungsmaßnahmen der Länder.
Erreichen der Nachhaltigkeitsziele nicht im Zeitplan
Der aktuelle Report befasst sich mit der Frage, wie vor dem Hintergrund des Klimawandels eine gesunde Ernährung für alle Menschen weltweit gewährleistet werden kann. Bereits jetzt können sich weltweit rund 2,6 Milliarden Menschen keine gesunde Ernährung leisten, gleichzeitig nehmen sowohl Mangelernährung als auch Übergewicht und ernährungsmitbedingte Krankheiten zu. Diese Entwicklungen treffen vor allem Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen, die Zunahme von Übergewicht betrifft Kinder und Jugendliche in allen Regionen der Welt. Die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele „Zero Hunger“ und „Good health and well-being“ bis 2030 liegt hinter dem Zeitplan, so der GNR.
Der aktuelle Bericht formuliert vier Kernbotschaften:
- Krisen treten zunehmend gleichzeitig auf und verschärfen sich gegenseitig. Die Auswirkungen sind deutlich schwerwiegender und erfordern Reaktionen, die über sektorbezogene Maßnahmen hinausgehen. Eine Auswertung von Maßnahmen der Länder unter anderem während der COVID-19-Pandemie hat gezeigt, dass diejenigen mit bereits vorhandener integrierter Infrastruktur und flexiblen programmatischen Rahmenbedingungen schneller und effektiver reagierten, als Länder, in denen solche Strukturen erst aufgebaut werden mussten. Vor allem bestehende Schulverpflegungsprogramme zeigten sich hier als wirksam.
- Der Bericht bezeichnet drei Strategien als vielversprechend, um Ernährungssysteme im Kontext des Klimawandels resilient zu gestalten: eine klimafreundliche Landwirtschaft, die Gestaltung von fairen Ernährungsumgebungen zur Förderung einer nachhaltigen und gesunden Ernährung sowie die Verringerung von Lebensmittelverlusten und Lebensmittelverschwendung.
- In den Verpflichtungen der Länder wird die Geschlechterperspektive nur in unzureichendem Maße berücksichtigt. Gleichzeitig verweist der Bericht auf den Zusammenhang zwischen dem Zugang von Frauen zu Ressourcen, Dienstleistungen und Entscheidungsbefugnissen und einer besseren Ernährungssicherheit.
- Der Bericht zeigt, dass künftige Verpflichtungen für bessere Ernährungs- und Gesundheitssysteme neben klaren Zielvorgaben auch stärker in Finanzierungs- und Resilienzstrukturen eingebettet werden müssen. Häufig fehlen langfristige Finanzierungszusagen, eine ressortübergreifende Zusammenarbeit und klare Verantwortlichkeiten. Die Fachleute fordern, dass Länderstrategien über politische Zielsetzungen hinausgehen müssen, um in der Praxis wirksam zu sein.
Ernährung als verbindendes Element verschiedener Politikfelder
Als Konsequenz fordert der Global Nutrition Report einen grundlegenden Perspektivwechsel. Ernährung müsse als verbindendes Element zwischen Klima-, Gesundheits- und Agrarpolitik verstanden werden. Regierungen sollten Ernährungsziele stärker in nationale Klimastrategien integrieren, die Primärversorgung und soziale Sicherungssysteme ausbauen sowie Finanzierungsmodelle langfristig absichern. Internationale Geberorganisationen werden aufgefordert, stärker in integrierte Programme zu investieren und nationale Strukturen zu stärken, anstatt kurzfristige Einzelprojekte zu fördern.
Quellen
- Ghosh S, Zanello G, Conti C, Di Cesare M, Fabrizio C, Kennedy E, Nomura S, Springmann M. 2026 Global Nutrition Report. Integrating food and health systems for climate-resilient nutrition. Seattle, WA: PATH, 2026. Global Nutrition Report 2026
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