Gesunde Ernährung und Prävention: Gemeinschaftsverpflegung als Vorbild
Mit Empfehlungen zur Zukunft der Ernährung wenden sich Fachleute der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften an Verantwortungsträger in Politik und Fachpraxis. Sie sehen großen Handlungsbedarf beim Thema Prävention durch gesunde Ernährung und plädieren dafür, den großen Hebel der Gemeinschaftsverpflegung besser zu nutzen.
Die interdisziplinäre Arbeitsgruppe „Ernährung, Gesundheit, Prävention“ der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) hat sich in einem dreijährigen Projekt mit den Themenbereichen „Ernährung und Gesundheit“ sowie „Nahrungsmittelproduktion und Nahrungsmittelqualität“ befasst. In zwei sogenannten Denkanstößen haben sie zentrale wissenschaftliche Erkenntnisse, Handlungsfelder und Empfehlungen zusammengefasst.
Ernährungsmuster „Western Diet“
In dem Papier „Die Zukunft unserer Ernährung: Ernährung und Gesundheit“ skizzieren sie die Ernährungssituation in Deutschland, in der zwar einerseits ein vielfältiges und umfangreiches Lebensmittelsortiment zur Verfügung steht, die aber andererseits durch einen zu hohen Kalorienverzehr bzw. durch einen zu hohen Zucker- und Fettverzehr geprägt ist – eine Ernährungsweise also, die zu zahlreichen ernährungsmitbedingten Krankheiten führen kann. Übergewicht und Adipositas zeigen sich bereits als schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigung sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch bei Erwachsenen.
Steuerungsmechanismen bisher nicht ausreichend
Bisherige Steuerungsversuche, etwa durch freiwillige Nährwertkennzeichnungen oder Ernährungsempfehlungen, hätten nicht die notwendigen Effekte auf das Konsum- und Essverhalten erzielt. Gleichzeitig bedrohten Klimawandel und internationale Konflikte die globale Ernährungssicherung. Die Expert*innen halten deshalb eine Ernährungswende hin zu einer gesunden und nachhaltigen Ernährung, die wirtschaftlicher Stabilität, Klimaschutz und Tierwohl gerecht wird, für notwendig.
Gemeinschaftsverpflegung als wichtiger Baustein
Sowohl großes Potenzial als auch großen Handlungsbedarf sehen die Fachleute in verhältnispräventiven Maßnahmen, die sich insbesondere an Kinder und Jugendliche richten. Kitas und Schulen sind Lern- und Lebensorte, die zur Gesundheitsförderung besser genutzt werden sollten, so die Expert*innen. Zur Verbesserung der Gemeinschaftsverpflegung fordern sie deshalb eine verpflichtende Umsetzung der DGE-Qualitätsstandards sowie eine für die Eltern beitragsfreie Kita- und Schulverpflegung. Sie bemängeln außerdem, dass trotz ihrer großen Bedeutung für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen die Qualität der Kita- und Schulverpflegung derzeit nicht flächendeckend überwacht wird. Weitere empfohlene Maßnahmen sind:
- Stärkung der Ernährungsbildung bei Kindern und Jugendlichen, u.a. durch ein Schulfach Ernährung, Kochen als Aktivunterricht oder durch die Einführung von Schul- und Kitagärten
- Verpflichtung zur Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln
- Umsetzung von Werberegulierung
- Umsetzung einer gesundheitsorientierten Preisgestaltung, z. B. durch eine Verbrauchssteuer für zuckergesüßte Getränke
Die Gemeinschaftsverpflegung spielt eine Schlüsselrolle bei der Ernährungswende, fassen die Autor*innen zusammen. Sie habe das Potenzial, einer breiten Bevölkerung eine gesunde und nachhaltige Ernährung zugänglich zu machen und wegweisende Standards zu setzen.
Quellen
- Pressemitteilung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) vom 02.02.2026: Für eine Ernährungswende in Deutschland Empfehlungen der Interdisziplinären Arbeitsgruppe „Ernährung, Gesundheit, Prävention“ der BBAW erschienen
- Deutsches Ärzteblatt: Pressemeldung zum Informationsgespräch der BBAW vom 16.02.2026