Schulkinder spielen im Wald an einem Bach.
Quelle: AdobeStock © eloi
News

Schulgarten: Kleine Fläche mit großer Wirkung

Schulgärten vermitteln Kindern praktisches Wissen über Natur und Ernährung und stärken ihr Verständnis für ökologische Zusammenhänge. Wie weitreichend diese Bedeutung ist, zeigt eine internationale Studie: Schulgärten und ihre Einbindung in nachhaltige Schulmahlzeiten bieten viele Vorteile, nur wenige Herausforderungen und können Biodiversität sowie die lokale Wirtschaft stärken.

Weltweit werden sowohl Schulgärten als auch regional und lokal verankerte Landwirtschaftsflächen für den Anbau von Lebensmitteln für das Schulessen genutzt. Für letzteres hat sich der englische Begriff „home grown school feeding“ (HGSF) etabliert. Eine Übersichtsstudie hat untersucht, welche Erkenntnisse zur Nutzung dieser HGSF- und Schulgartenprogramme insbesondere mit Blick auf den Erhalt der biologischen Vielfalt bestehen. Die Wissenschaftler*innen wollten wissen, welche Vorteile und welche Herausforderungen es in Anbau und Nutzung von Lebensmitteln auf diesen Flächen gibt. In ihrer Analyse werteten sie 124 Studien zwischen 2000 und 2024 aus 35 Ländern aus. Sie kategorisierten den Nutzen der Programme nach ihren Auswirkungen auf unter anderem Gesundheit, Bildung, Biodiversität oder Wirtschaftlichkeit. 

Keine Evidenz für home-grown-school-feeding in Europa

Evidenz für Schulgärten fanden die Wissenschaftler*innen in allen sechs geographischen Regionen weltweit, wohingegen „home grown school feeding“ als Anbaumethode für Schulverpflegung nur in den Regionen Lateinamerika und Karibik, Asien, Afrika und Nord-Amerika zu finden war, nicht jedoch in Europa und Ozeanien. Zu den häufigsten positiven Auswirkungen sowohl von HGSF als auch von Schulgärten die Studien mehrheitlich:

 

  • eine gesünderes Ernährungsverhalten und verbesserte kognitive Fähigkeiten bei Kindern und Jugendlichen (insbesondere bei Schulgartenprogrammen) 
  • Aufbau von lokalen Netzwerken und gestärkte soziale Bindungen, Stärkung des innerschulischen Zusammenhalts,
  • Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft, die ökologische Prinzipien voranstellt und die durch Verzicht auf synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel und geschlossene Kreisläufe gekennzeichnet ist; es zeigten sich insbesondere positive Auswirkungen auf die landwirtschaftliche biologische Vielfalt, 
  • Förderung lokaler landwirtschaftlicher Betriebe, kürzere Wertschöpfungsketten und fairere Preise

Potenziale übersehen, wenig erforscht, aber vielversprechend

Die Auswertung ergab, dass ein erhebliches Potenzial für den Einsatz essbarer Pflanzen besteht, das nicht genutzt wird. So zeigte sich beispielsweise, dass in HGSF-Programmen in Afrika überwiegend Getreide, Hülsenfrüchte und Öle wie Mais und Soja angebaut werden, obwohl es in der Region mehr als 1.000 traditionelle Blattgemüse sowie Obst- und Gemüsesorten gibt. Bemühungen zur Förderung nachhaltiger Mahlzeiten – nicht nur in afrikanischen Ländern –, könnten die ungenutzte Vielfalt mobilisieren und Ernährungssouveränität stärken, so die Fachleute. Zu den häufigsten Herausforderungen sowohl von HGSF als auch von Schulgärten ermittelten sie eine Diskrepanz zwischen den landwirtschaftlich bedingten Zeit- und Anbauplänen und saisonalen Einschränkungen sowie auf unzureichende Ressourcen für den Betrieb von Schulgärten. 

HGSF stärkt den Körper, Schulgären stärken den Geist

Schulgärten und HGSF sowie ihre Integration in nachhaltige Schulverpflegungsprogramme sind mit vielversprechenden Vorteilen, überschaubaren Herausforderungen und einem hohen Potenzial für widerstandsfähige und ökonomischen Systemen in Landwirtschaft und Wirtschaft verbunden. Damit solche Programme umgesetzt werden, ist das politische Interesse daran von entscheidender Bedeutung, resümieren die Wissenschaftler*innen.

Quelle

Weiterführende Informationen

Lesenswertes zur News