Grundschulkinder spielen auf dem Schulhof.
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Einfluss des Schul-Sozialindex auf das Schulessen

Der Schul-Sozialindex ist ein Instrument, mit dem Schulen anhand sozialer Faktoren wie Bildungshintergrund oder Förderbedarf der Lernenden eingeordnet werden. Der Index soll helfen, Ressourcen gezielt zu verteilen und gleichberechtigte Teilhabe sicherzustellen. Ob dieser Index Einfluss auf die Qualität des Schulessens hat, hat nun eine Studie untersucht.

Nationale und internationale Studien zeigen: In Deutschland hängt der Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen von ihrer sozialen Herkunft ab. Viele Bundesländer verteilen deshalb Finanzmittel anhand eines Schul-Sozial-Indexes, damit Schulen in benachteiligten Lagen besser ausgestattet werden können. Nach einer Analyse der Robert-Bosch-Stiftung haben viele Bundesländer bereits einen Schul-Sozialindex definiert, weitere Länder ziehen nach. Die Robert-Bosch-Stiftung sieht hier das Startchancen-Programm der Bundesregierung als einen Treiber. 

Bessere Startchancen für gleichberechtigte Teilhabe

Das Programm wurde zum Schuljahr 2024/25 mit einer Laufzeit von zehn Jahren eingeführt. Der Bund stellt bis zu eine Milliarde Euro jährlich zusätzlich zur Verfügung, die Länder beteiligen sich in gleichem Umfang. Die Mittel sollen an etwa 4.000 Schulen mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter Schüler*innen verteilt werden. Die Auswahl der Schulen erfolgt durch das jeweilige Bundesland anhand des Sozialindexes, der gemäß der Vereinbarung mit dem Bund mindestens die Kriterien „Armut“ und „Migration“ berücksichtigen muss. Diese sogenannten Benachteiligungsdimensionen zeigen einen hohen Zusammenhang mit Bildungsteilhabe und Bildungserfolg. 

Hat der Schul-Sozialindex Einfluss auf die Qualität des Schulessens?

Forschende der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau wollten wissen, ob gesunde und nachhaltige Schulmahlzeiten für alle Kinder unabhängig vom Sozialindex der Schule zugänglich sind. In ihrer Untersuchung haben sie die Qualität der Schulmahlzeiten auch danach bewertet, ob Qualitätsstandards freiwillig oder verpflichtend umzusetzen waren. Dementsprechend wählten sie zwei Bundesländer (Hamburg und Nordrhein-Westfalen) aus. Um die Sozial-Indizes beider Länder vergleichbar zu machen, kategorisierten sie diese nach sozio-ökonomischem Status (SES) in niedrig, mittel und hoch (siehe Abbildung). 

Insgesamt werteten die Wissenschaftler*innen 146 Speisepläne über 20 Verpflegungstage von 419 Schulen aus und verglichen diese mit dem DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Schulen. Die Ergebnisse ihrer Analyse:

  • Es zeigte sich kein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Schul-Sozialindex und der Einhaltung der Kriterien des DGE-Qualitätsstandards. Lediglich in zwei Kriterien zeigten sich Unterschiede: Schulen mit hohem SES boten signifikant häufiger klar strukturierte Menülinien an (vegetarisch, Mischkost, Aktionsmenü o.ä.). Dagegen war das Angebot von fettreichem Fisch signifikant häufiger in Schulen mit niedrigem SES. 
  • Vielmehr hatte der Aspekt „verpflichtend oder freiwillig“ deutlichen Einfluss auf die Einhaltung der Qualitätskriterien. Schulen, in denen der Qualitätsstandard verpflichtend umzusetzen war, schnitten mit 62 % vs. 48 % (freiwillig) besser ab. In diesen Schulen wurden z. B. mehr Getreideprodukte, Kartoffeln, Gemüse und Obst und weniger frittierte und hochverarbeitete Produkte angeboten.
  • Über alle Schulen hinweg wurden die Empfehlungen des Qualitätsstandards nur zu 54 % erfüllt.

Verbesserungsbedarf für alle Schulen

Die Qualität der Schulverpflegung ist vom sozioökonomischen Status bzw. vom Schul-Sozialindex unabhängig. Das klingt nach einer guten Nachricht, allerdings ist die Qualität der Schulmahlzeiten insgesamt noch nicht zufriedenstellend. Knapp die Hälfte aller untersuchten Schulen weisen in dieser Studie deutliche Lücken bei der Umsetzung der Qualitätsstandards auf. Es zeigt sich, dass mehr Verbindlichkeit zu einer besseren Umsetzung führt. Die Autor*innen unterstreichen deshalb die Notwendigkeit von verpflichtenden Qualitätsstandards. Es brauche darüber hinaus eine regelmäßige und flächendeckende Qualitätssicherung, um die Einhaltung der Qualitätskriterien zu gewährleisten. 

Quellen

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