Bewertung von Qualitätsstandards zur Schulverpflegung an weiterführenden Schulen in der EU
Eine Studie des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie hat untersucht, inwieweit Qualitätsstandards für das Schulessen an weiterführenden Schulen in EU-Ländern umgesetzt sind. Analysiert wurden gesundheitliche Anforderungen, die Akzeptanz bei Schüler*innen sowie die Erschwinglichkeit des Angebotes. Die Ergebnisse zeigen, dass das Angebot eher eingeschränkt angenommen wird und die Kosten für viele eine Hürde darstellen.
Alle europäischen Mitgliedsstaaten (plus Großbritannien, Norwegen, Schweiz und Island) haben Qualitätsstandards für die Schulverpflegung (Schulverpflegungsrichtlinien) erlassen, mit denen sie die Bedeutung der Schulverpflegung für die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen grundsätzlich anerkennen. Doch unterscheiden sich die Richtlinien in Bezug auf Umfang, Ziele und freiwillige oder verpflichtende Umsetzung stark.
In einer Übersichtsarbeit haben Wissenschaftler*innen am Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS in Bremen diese geltenden Qualitätsstandards hinsichtlich gesundheitlicher Auswirkungen, Akzeptanz und Erschwinglichkeit bewertet. Sie konzentrierten sich dabei auf weiterführende Schulen, weil diese Schulform nach ihrer Auffassung nur selten im Mittelpunkt von Forschung steht. Die Fachleute haben außerdem Umsetzungsstrategien in den genannten Ländern systematisch erfasst.
Zentrale Ergebnisse
- Für die Gesundheit ist es entscheidend, dass die Richtlinien zur Schulverpflegung mit ernährungswissenschaftlichen Empfehlungen im Einklang stehen – eine Voraussetzung, die in den untersuchten Studien häufig nicht erfüllt war.
- Alle Studien, die die Erschwinglichkeit des Verpflegungsangebotes untersuchten, wiesen die Kosten für die Schulmahlzeiten als Hindernis für die Teilnahme an der Verpflegung aus.
- Die Akzeptanz von Schulmahlzeiten, die den nationalen Qualitätsstandards entsprachen, war in allen Studien bei Schüler*innen der Sekundarstufe gering. Bemängelt wurde ein unattraktives Angebot in Farbe, Konsistenz und Geschmack der Speisen. Beeinflusst wurde die Akzeptanz auch von organisatorischen Rahmenbedingungen wie lange Warteschlangen, zu kurze Pausenzeiten und eine wenig ansprechende Essatmosphäre. Einigen Studien zufolge waren Schüler*innen von Entscheidungsprozessen zur Gestaltung ausgeschlossen und verzichteten deshalb auf eine Teilnahme.
Subventioniert heißt nicht automatisch auch akzeptiert
Um die Teilnahme an der Schulverpflegung insbesondere bei älteren Schüler*innen zu erhöhen, betonen Fachleute die Bedeutung attraktiver Speisenangebote sowie einer angenehmen, altersgerechten Atmosphäre in der Mensa. Ebenso wichtig sei ausreichend Zeit, um die Mahlzeiten in Ruhe einnehmen zu können. Hinsichtlich der Kosten wird darauf hingewiesen, dass auch finanziell geförderte Schulmahlzeiten bei Jugendlichen nicht automatisch zu einer höheren Akzeptanz führen, da sie großen Wert auf Autonomie bei der Auswahl von Speisen und Lebensmitteln legen. Gleichzeitig seien geförderte oder kostenlose Angebote jedoch zentral für Ernährungssicherheit und soziale Teilhabe, insbesondere für Kinder und Jugendliche aus einkommensarmen Haushalten. Insgesamt zeigt sich, dass die Einhaltung von Qualitätsstandards in der Schulverpflegung im Sinne einer mehrdimensionalen Qualitätsentwicklung nicht nur gesundheitliche Ziele unterstützen, sondern auch die Akzeptanz entscheidend fördern sollte.
Quelle
- Blecha N, Meuer J, Hübner W, Christianson L, Wolters M, Busse H, Hebestreit A, Forberger S. Evaluation of school food policies for secondary schools in Europe: Results for health, acceptance, and affordability from a scoping review. Obesity Reviews. 2025;26(7):e13911. https://doi.org/10.1111/obr.13911
Weiterführende Informationen
- Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS. GENAU: Gesunde und nachhaltige Schulverpflegung in Bremer Schulen