Drei jugendliche Schüler*innen sitzen auf Stühlen und diskutieren.
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Mehr Teilhabe: Schüler*innen wollen in der Schule mitbestimmen

Die Ergebnisse des aktuellen Schulbarometers zeigen die Probleme, mit denen Kinder und Jugendliche in Schulen konfrontiert sind: Jedes vierte Kind ist psychisch auffällig und ein Drittel wird regelmäßig gemobbt. Die Mehrheit der Schüler*innen wünscht sich mehr Mitbestimmung. Warum das auch das Schulessen betrifft.

Die Robert Bosch Stiftung befragt für das Deutsche Schulbarometer Schüler*innen und Lehrkräfte regelmäßig unter anderem zu ihrem psychischen Wohlbefinden und zur Unterrichtsqualität. Die aktuelle repräsentative Umfrage unter Kindern und Jugendlichen zwischen 8 und 17 Jahren fand nach 2024 bereits zum zweiten Mal statt. 

Psychisches Wohlbefinden beeinflusst Chancen für Bildung und Teilhabe langfristig

Als besorgniserregend bezeichnen die Autor*innen, dass sich ein Viertel (25 %) der Schüler*innen psychisch belastet fühlt. Damit nimmt die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland erstmals nach der Coronapandemie wieder zu (2024: 21 %). Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigem Einkommen berichten überdurchschnittlich häufig von psychischer Belastung (31 %). 

Lebensqualität

Anhand von zehn Fragen zu körperlichen, psychischen und sozialen Aspekten ihres Alltages sollten die Befragten ihre Lebensqualität einschätzen. Zwei Drittel (68 %) lassen sich einer mittleren, 26 % einer geringen Lebensqualität zuordnen. Eine geringe Lebensqualität wird überdurchschnittlich häufig von Schüler*innen berichtet, die psychische Auffälligkeiten oder  einen sonderpädagogischen Förderbedarf haben oder aus Familien mit sehr niedrigem Einkommen stammen (siehe Abbildung). 

Schulisches Wohlbefinden und Mitbestimmung

Die Fachleute setzen die psychische Gesundheit in einen engen Zusammenhang mit dem schulischen Wohlbefinden; dieses gilt als Voraussetzung für gute Lernergebnisse. Ein Großteil der Befragten (75 %) berichtet ein mittleres schulisches Wohlbefinden, 8 % ein hohes und 16 % ein geringes schulisches Wohlbefinden. Kinder und Jugendliche aus finanziell belasteten Familien oder mit psychischen Auffälligkeiten geben besonders häufig an, sich in der Schule nicht wohlzufühlen. Neben der Unterrichtsqualität selbst sind auch Mitbestimmungsmöglichkeiten für das Wohlbefinden entscheidend, so die Autor*innen. Mehr Partizipation korreliert mit einem höheren schulischen Wohlbefinden und einer gesteigerten Lebensqualität.

Möglichkeiten der Teilhabe strukturell verankern

Die Robert Bosch Stiftung empfiehlt deshalb, Partizipation und Mitbestimmung von Schüler*innen als ein grundlegendes Prinzip von Schule und Unterricht zu verstehen. Entscheidungsprozesse müssten transparent sowie klar definiert, altersgerecht und strukturell verankert sein. Bestehende Gremien wie etwa Schüler*innen-Vertretungen sollten gezielt ausgebaut und effektiv genutzt werden.

Schulessen ist Handlungsfeld für Partizipation

Auch für die Akzeptanz von Schulmahlzeiten ist Partizipation entscheidend. Ob die Schulverpflegung von den Schüler*innen angenommen und gern gegessen wird, hängt auch davon ab, inwieweit sie an der Organisation beteiligt sind und auf Qualität, Angebotsformen und Essatmosphäre Einfluss nehmen können. Aktive Teilhabe ist ein zentraler Einflussfaktor für Zufriedenheit und hohe Teilnahmequoten, die sowohl aus gesundheitsförderlicher Sicht als auch für soziale Teilhabe- und Bildungschancen relevant sind. Bei der empfohlenen strukturellen Verankerung von Partizipation und Mitbestimmung in Schulen sollte die Schulverpflegung deshalb unbedingt mitgedacht werden. 

Hintergrund

Mit dem Deutschen Schulbarometer führt die Robert Bosch Stiftung seit 2019 regelmäßig repräsentative Befragungen zur aktuellen Situation der Schulen in Deutschland durch. Für die aktuelle Ausgabe befragte das Meinungsforschungsinstitut forsa in einer Onlinebefragung insgesamt 1.507 Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 17 Jahren sowie jeweils einen Elternteil. Es handelt sich um eine längsschnittliche Panelstudie. 

Quellen

Weiterführende Informationen

Aktionsideen und Handlungsleitfäden zum Thema "Akzeptanz & Partizipation" in unserer Arbeitshilfen-Datenbank 

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