Zwei Kinder spielen mit Memory-Karten.
Quelle: AdobeStock © Lumos sp
News

Ernährungsstrategie in Niedersachsen nimmt Ernährungsarmut in den Fokus

Mit dem „Fokusheft Ernährungsarmut“ hat Niedersachsen seine Ernährungsstrategie erweitert. In den Handlungsempfehlungen spielt die Verpflegung von Kindern und Jugendlichen in Kitas und Schulen eine maßgebliche Rolle.

Mit dem „Fokusheft Ernährungsarmut“ schreibt das Zentrum für Ernährung und Hauswirtschaft Niedersachsen (ZEHN) im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (ML) die niedersächsische Ernährungsstrategie fort. Ernährungsarmut ist ein komplexes Problem, das soziale, wirtschaftliche und gesundheitliche Dimensionen umfasst, so das ML.

„Ernährungsarmut steigt immer weiter an, denn die Auswirkungen beispielsweise der Corona-Pandemie und des Krieges in der Ukraine haben die Lebensmittelpreise spürbar steigen lassen. Hohe Preise sind eine wesentliche Ursache für die Zunahme der Ernährungsarmut.“
Miriam Staudte, Ministerin

Einige Personengruppen besonders betroffen

Um Ernährungsarmut entgegenzuwirken, hat das ZEHN gemeinsam mit Fachleuten und Betroffenen in einem breit angelegten und transparenten Beteiligungsprozess Handlungsempfehlungen und Lösungsmöglichkeiten erarbeitet. In Niedersachsen ist etwa 17 % der Bevölkerung armutsgefährdet. Einige Personengruppen sind besonders stark betroffen, unter anderem die Gruppe der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren mit einer Armutsgefährdungsquote von 20,1 %. Bundesweit liegt diese Quote bei 15,2 %. Auch Alleinerziehende und Mehrkindfamilien sind häufiger von Einkommensarmut betroffen als andere Haushaltstypen. 

Armut erschwert gesunde Ernährung

Menschen, die über wenig Einkommen verfügen, haben meist zu wenige Ressourcen für eine gesundheitsförderliche Ernährung. Häufig ist die soziale Teilhabe zusätzlich erschwert: Mit den Kindern ein Eis essen oder Freunde zum Essen einladen, ist vielen armutsbetroffenen Familien nicht möglich. In Deutschland ist fast ein Viertel der armutsgefährdeten Haushalte mit Kindern von Ernährungsunsicherheit betroffen. Armut und Ernährungsarmut haben für Kinder und Jugendliche konkrete Folgen: Sie haben nachweislich schlechtere Gesundheits-, Teilhabe- und Bildungschancen. Die in Niedersachsen erarbeiteten Handlungsempfehlungen nehmen Kinder und Jugendliche und ihre Familien daher besonders in den Blick. Die Empfehlungen unter anderem:

  • Die ersten 1.000 Tage: Armutsbetroffene Familien sollen dabei unterstützt werden, Neugeborenen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen.
  • Einführung einer hochwertigen Kita- und Schulverpflegung in Niedersachsen, die nach Möglichkeit beitragsfrei ist.
  • Flächendeckende Verbesserung der Frühstücksversorgung in Grund- und Förderschulen.
  • Ausweiten des EU-Schulprogramms zur beitragsfreien und flächendeckenden Versorgung von Kindern mit Obst, Gemüse und Milch.

(Ernährungs-)Armut ist Querschnittsthema

Jede Handlungsempfehlung ist mit wissenschaftlichen Fakten untermauert, zeigt erste Schritte zur Umsetzung auf und nennt Akteure konkret, die auf entsprechenden Verantwortungsebenen mindestens einbezogen werden sollten. Good Practice-Beispiele ergänzen die Empfehlung. Übergreifend empfiehlt ZEHN eine interministerielle Projektgruppe auf Landesebene, damit Ernährungsarmut als Querschnittthema ressortübergreifend bearbeitet werden kann. Um strategisch, effizient und wirksam gegen (Ernährungs-)Armut vorzugehen, müsse auf politischer Ebene interdisziplinär zusammengearbeitet werden. 

Quellen

Lesenswertes zur News