Die Flagge Österreichs an einem Fahnenmast.
Quelle: Pixabay © Paulos

Schulverpflegung in Österreich

Im föderal organisierten Österreich zeigen sich ähnlich heterogene Verantwortungsstrukturen bei der Schulverpflegung wie in Deutschland. Auch gestaltet sich die Ernährungssituation der Kinder und Jugendlichen ähnlich, jedoch liegen deutlich höhere Übergewichts- und Übergewichtsraten vor.

Genau wie Deutschland ist Österreich ein föderal organisierter Staat. In den neun Bundesländern leben etwa 9,2 Millionen Einwohner*innen, davon etwa 1,6 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter bis 17 Jahren (Stand 2025). (1) Zum Vergleich: In Deutschland leben in dieser Altersgruppe etwa 14 Millionen Kinder und Jugendliche.

Übergewichts- und Adipositasprävalenz

Etwas mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in Österreich sind übergewichtig oder adipös (28 % der Kinder im Alter von 5 bis 9 Jahren, 26 % der Jugendlichen im Alter von 10 bis 19 Jahren. Jungen sind dabei deutlich häufiger betroffen als Mädchen. (2) 

Daten zum Ernährungsverhalten in Schulen

Wie sich das Ernährungs- und Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen in Sekundarschulen der Stufen I und II darstellt, zeigt eine repräsentative Online-Schulstudie (3). Die Mehrheit der Schüler*innen (84,3 %) ernährte sich traditionell (Mischkost). 8,5 % essen vegetarisch und 7,2 % vegan. Vegetarisch lebende Schüler*innen hatten den im Durchschnitt niedrigsten BMI und die niedrigste Adipositasrate. 

 

  • Mittagessen 
    Die Analyse hat hinsichtlich Verfügbarkeit und Nutzung des Mittagsangebotes ergeben, dass an etwa jeder 3. Schule (32 %) kein Mittagsangebot zur Verfügung steht. Betroffen sind davon bundesweit über 140.000 Schüler*innen. 68 % der Schulen bieten einen Mittagstisch an. Die Angebotsquoten unterscheiden sich nach Schultyp signifikant. An den allgemeinbildenden höheren Schulen (vorrangig Gymnasien) erfolgt zu 94 % ein Mittagsangebot, gefolgt von den Mittelschulen (vergleichbar mit den Haupt-, Real- oder Gesamtschulen in Deutschland) (68 %) und den berufsbildenden höheren und mittleren Schulen (56 %). Auch bezogen auf die Bundesländer variieren die Angebotsquoten von 92 % bis 55 %. Nur jede*r 3. Schüler*in nutzt ein vorhandenes Mittagsangebot, im Durchschnitt 31 %. Dieser Anteil fällt auf Bundesländerebene sehr unterschiedlich aus und reicht von 17 % bis 51 %. In allen untersuchten Schultypen wird das Mittagstischangebot insbesondere von Schüler*innen aus den unteren Schulstufen in Anspruch genommen. (3) Eine Zusammenfassung zur Studie lesen Sie hier. 
  • Pausenverkauf am Schulbufett
    Eine weitere Studie zeigt Daten zur Zwischenverpflegung an weiterführenden Schulen mit Sekundarstufe I und II. An 71 % erfolgt ein schulinterner Pausenverkauf. Damit fehlt fast einem Drittel ein solches Angebot, das umfasst etwa 135.000 Schüler*innen. In den meisten Schulen (34 %) organisieren sogenannte Schulbuffetbetriebe den Pau­senverkauf, die in der Regel privatwirtschaftlich organisiert sind, gefolgt von Bäckereien (22 %), Schulwart*in­nen (14 %), Lehrkräften (12 %) und Schüler*innen selbst (11 %). In nur 20 % der Schulen ist das Warenangebot von einer externen Stelle als gesundheitsförderlich ausgezeichnet. (6) Hier finden Sie weitere Informationen zur Studie.

Nationale Strategie zur Umsetzung der EU-Garantie

Derzeit gibt es keine flächendeckenden kostenlosen Mahlzeiten an Kitas und Schulen. In Österreich war 2024 etwa jedes 4. Kind unter 18 Jahren von Armut betroffen oder bedroht (23 %) (7). Im Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der Europäischen Garantie für Kinder bezeichnet die österreichische Bundesregierung „Gesunde Schulmahlzeiten“ als ein Kernelement zur Gesundheitsförderung besonders auch für armutsbetroffene Kinder. Unter anderem formuliert der Aktionsplan das Ziel, „eine umfassende, allgemein akzeptierte Strategie für eine flächendeckende Bereitstellung mindestens einer kostenlosen, nachhaltigen und gesundheitsfördernden Mahlzeit/Verpflegung pro Schultag für Schüler*innen in relevanten Schultypen Österreichs bis 2024 zu entwickeln und die operative, flächendeckende Ausrollung bis 2030 anzustreben“. (4) Im ersten Fortschrittsbericht (2024) verweist das Bundesministerium auf zahlreiche Maßnahmen für gesundheitsförderliche Schulmahlzeiten, unter anderem die flächendeckende Anwendung von Empfehlungen und Leitlinien (siehe unten) sowie die Einrichtung einer Kompetenzstelle Gemeinschaftsverpflegung auf Bundesebene, die sich als zentrale Informations- und Austauschplattform für besseres Essen in Kitas und Schulen versteht. (8) Die Umsetzung eines kostenlosen Mittagessens hat bisher das Bundesland Wien für seine ganztägig geführten Schulen umgesetzt. Über 63.000 Schüler*innen profitieren davon.

Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen

Es bestehen nationale Empfehlungen für die Verpflegung in Schulen für das Mittagessen und für das Schulbufett. 

  • Empfehlungen für das Mittagessen in Schulen des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Die Empfehlungen zur Speiseplangestaltung sind Mindestanforderungen (nicht verbindlich). Sie beinhalten für relevante Lebensmittelgruppen Minimum- und Maximalhäufigkeiten. 
  • Leitlinie Schulbuffet: Im Jahr 2024 hat das Bundesgesundheitsministerium Empfehlungen für das Speisen- und Getränkeangebot und für die Befüllung von Automaten herausgegeben. Diese Empfehlungen beziehen sich insbesondere auf die Pausen- und Zwischenverpflegung. Die Leitlinie ist ein freiwilliger anzuwendender Standard, der gesündere und ausgewogenere Angebote sicherstellen soll. 
  • Checkliste Schulverpflegung: Checkliste des Programms "Richtig essen von Anfang an!" enthält Anforderungen für die Umsetzung einer gesundheitsförderlichen Verpflegung in Schulen. Die Checkliste wird vom Bundessozial- und Gesundheitsministerium zur Anwendung empfohlen und bezieht sich sowohl auf die Empfehlungen zum Mittagessen als auch auf die Leitlinie Schulbuffet. 

Organisation der Schulverpflegung

An ganztägig geführten Schulen muss ein Mittagessen angeboten werden, das abhängig von den organisatorischen Möglichkeiten der Schule, in oder außerhalb der Schule eingenommen werden kann. Zum Schuljahr 2025/26 stellten knapp über 62 % der Schulen ein ganztägiges Angebot zur Verfügung; etwa 34 % der Schüler*innen nutzte dies österreichweit. Für die Zielsetzung, die Betreuungsquote auf 40 % zu erhöhen, hat die österreichische Regierung durch das Bildungsinvestitionsgesetz 750 Millionen Euro für Infrastruktur und Personal vorgesehen. (9)

Die Bereitstellung der Verpflegung ist Sache des Schulerhalters (Schulträgers), der die Kosten z. B. für den Betrieb einer Schulküche trägt. (4, 5) In der Regel können der Bund, Bundesländer, Kommunen oder privatrechtliche bzw. kirchenrechtliche Organisationen Schulerhalter sein. Die Ausschreibung und Vergabe von Verpflegungsleistungen liegt entweder in der Verantwortung der Bildungsdirektionen der Bundesländer (Bundesschulen) oder im Fall der allgemeinbildenden Pflichtschulen (Volksschule, Mittelschule, Sonderschule) in der Verantwortung der Gemeinden. 

Quellen

  1. Statistik Austria 
  2. Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs: Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen
  3. SIPCAN – Initiative für ein gesundes Leben. Mittagstisch im Fokus: Bericht zeigt großen Handlungsbedarf 
  4. Österreichisches Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Nationaler Aktionsplan zur Umsetzung der Europäischen Garantie für Kinder 
  5. Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (Österreich): Zahlen & Fakten
  6. SIPCAN – Initiative für ein gesundes Leben. Im Fokus: Schulverpflegung in Österreich. Der Pausenverkauf am Schulbuffet ab der 5. Schulstufe. 2024
  7. Statistik Austria: Gender-Statistik Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung
  8. Österreichisches Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Erster Fortschrittsbericht zur Umsetzung der Europäischen Garantie für Kinder in Österreich
  9. Bundesministerium Bildung: Bedarfsgerechter Ausbau der ganztägigen Schulformen/Standorte 2025/26