Verstehen lernen, warum gesunde Ernährung wichtig ist
Die Schulverpflegung an der Oberschule Emstek im Landkreis Cloppenburg lebt von der Beteiligung der gesamten Schulgemeinde. In der teilgebundenen Ganztagsschule gibt es seit 2016 eine Mittagsverpflegung, an der mittlerweile fast alle 520 Schüler*innen teilnehmen.
„Wir wollten damals aber nicht nur ein Mittagessen anbieten, sondern ganzheitlich alle Mahlzeiten in unsere Schulverpflegung einbinden“, blickt Heike Kloster zurück. Die didaktische Leiterin erinnert sich, dass Schüler*innen ohne Frühstück oder mit Eistee, Instant-Päckchen oder Chips in die Schule kamen.
„Wir haben dann überlegt, wie wir unsere Schüler*innen befähigen können, selbst zu verstehen, warum eine gesunde Ernährung wichtig ist. Es immer nur zu sagen, macht keinen Sinn.“
Ein erster Schritt: Integration der Mensa-Kräfte in die Schulgemeinde
Am Anfang stand die Überlegung, mehr Akzeptanz für die Schulmensa zu schaffen, damit die Schüler*innen überhaupt dort essen. „Wir wollten Vertrautheit schaffen und eine Möglichkeit finden, über Ernährung zu sprechen“, erklärt Heike Kloster. So wurden Fünftklässler*innen eingeladen, gemeinsam mit den vier Mensa-Mitarbeiterinnen vegetarische Gerichte zu kreieren. „Hier in Süd-Oldenburg wird sehr viel Fleisch gegessen, deshalb war uns der vegetarische Ansatz wichtig.“ Seither entwirft jede 5. Klasse einmal im Schulhalbjahr ihr eigenes Gericht, erprobt dieses in der Lehrküche und gibt es als Rezept an die Mensa-Kräfte weiter. „Diese bereiten das dann für die ganze Schule zu und auf dem Speiseplan ist gekennzeichnet, welche Klasse für das Gericht verantwortlich ist. Darauf sind alle sehr stolz.“ Beim Probekochen kommt vor allem frisches Gemüse und Obst zum Einsatz. „Es gibt durchaus Kinder, die nicht wissen, wie eine Banane geschält wird.“ Ein Rezeptheft für zuhause sorgt dafür, dass auch die Eltern an den Aktionen teilhaben können.
Bausteine Schulverpflegung und Ernährungsbildung
Die verschiedenen Module zur Ernährungsbildung sind in der OBS Emstek in den schuleigenen Arbeitsplänen je Jahrgangsstufe fest verankert. In der 5. Klasse bekommen alle Schulanfänger*innen eine Brotdose und eine Trinkflasche für ihr Frühstück geschenkt. Alle Kinder nehmen an einer Seminareinheit zum gesunden Frühstück in einem nahen Umweltzentrum teil. Um das Thema Frühstück zu komplettieren, werden alle Eltern der Fünftklässler*innen zu einem Workshop „Gesundes Frühstück“ eingeladen. Es geht dabei nicht um die „perfekte Brotdose“, sondern um praktische Tipps für ein gesundes Frühstück, das nicht viel Aufwand macht.
Nehmen Eltern und Schüler*innen die Anregungen an?
Ja, sagt Heike Kloster. „Wenn ich in die Brotdosen schaue, hat sich sehr viel zum Positiven verändert. Gesunde Ernährung zieht sich als Thema durch alle Jahrgangsstufen, das haben alle verinnerlicht. Natürlich gibt es immer wieder mal Ausreißer, aber das Vorbild der Peer-Group wirkt positiv.“ Ein Frühstücksangebot gibt es zu moderaten Preisen auch am Schulkiosk zu kaufen. Betrieben wird dieser vom Hausmeister, der von einer Schülerfirma unterstützt wird. Im Angebot sind Milch und Joghurt, Apfelschorle, Obst und belegte Brötchen, Süßigkeiten gibt es dort nicht. Zweimal in der Woche bereitet die Schülerfirma das Frühstück für den Kiosk vor. „Dann gibt es z. B. Wraps oder andere jugendgerechte Angebote.“
Schulträger betreibt Mensa in Eigenregie
Die Mittagsverpflegung wird durch vier Mensa-Kräfte organisiert, die beim Schulträger angestellt sind. Die Mitarbeiterinnen erstellen den Speiseplan auf Cook & Freeze-Basis, bestellen also tiefgekühlte Menükomponenten bei zwei Herstellern und bereiten diese mittags auf. Heike Kloster ist wichtig, dass es sich hierbei nicht nur um reines Regenieren handelt. „Hier kommt wieder unsere Schülerfirma ins Spiel, die verschiedene Komponenten ergänzend herstellt, wie z. B. Gemüsebrühe, Ketchup oder Apfelmus. Wir legen dabei großen Wert auf niedrige Zucker- oder Salzgehalte. Die Schülerfirma verkauft diese Produkte an die Mensa und ist damit quasi ein weiterer Lieferant.“
Sehr positiv äußert sie sich über den Schulträger, die Gemeinde Emstek. „Wir haben großes Glück, dass unser Schulträger die Mensa selber betreibt. Damit haben wir auf das Thema Ernährungsbildung großen Einfluss, den wir mit einem externen Caterer nicht hätten.“ Zum Betrieb der Mensaküche und der Finanzierung der Personalkosten kommt die Subvention der Mahlzeitenpreise durch die Gemeinde als Schulträger dazu. „Ein Mittagessen kostet bei uns 3,90 Euro. Unser Schulträger legt sehr großen Wert darauf, dass alle Kinder und Jugendlichen hier gut und gesund essen können.“
Qualitätssicherung auf kurzem Weg
Bei der Speiseplangestaltung orientieren sich die Mensa-Mitarbeiterinnen am DGE-Qualitätsstandard. Die Zusammenarbeit ist eng verzahnt. „Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht kurz in der Mensa bin und wir gemeinsam ein Problem lösen oder die Umsetzung neuer Ideen planen.“ Die Mitarbeiterinnen haben großes Interesse daran, dass die Mensa ein beliebter Treffpunkt zum Essen ist. „Sie greifen Wünsche auf und versuchen, diese umzusetzen. So bieten wir beispielsweise einmal in der Woche eine Bowl an, die sich die Schüler*innen aus frischen Zutaten selbst zusammenstellen können. Das findet reißenden Absatz. Daraus hat sich die Idee einer täglichen Salatbar entwickelt, deren Umsetzung wir derzeit planen – daran lässt sich gut erkennen, wie sich unser Angebot schrittweise verbessert oder verändert.“ Heike Kloster schaut sich mittags an, welche Speisen bzw. welche Mengen zurückgehen. „Das ist ein wichtiger Gradmesser für Akzeptanz. Außerdem befragen wir regelmäßig unsere Schüler*innen zu ihrer Zufriedenheit mit dem Angebot.“
Kinder und Jugendliche auf das Leben vorbereiten
Dass eine akzeptierte Schulverpflegung und Ernährungsbildung beständige Aufmerksamkeit brauchen, wird aus den Ausführungen deutlich. „Wir müssen immer am Ball bleiben. Bei allem, was wir machen, binden wir die Schüler*innen aktiv ein, denn wir wollen sie auf das Leben vorbereiten.“ Heike Kloster ist überzeugt, dass das Konzept nur funktioniert, weil es engagierte Menschen gibt, die Zeit investieren. „Dafür braucht es natürlich entsprechende Personal- und Lehrkraftressourcen. Uns hat auch sehr geholfen, dass wir mit kleinen Schritten gestartet sind, auf denen wir beständig weiter aufgebaut haben. Wichtig ist, dass alles evaluiert und fest verankert wird, damit es regelmäßig stattfindet und keine Eintagsfliege bleibt. Unser Ziel ist, unseren Ernährungsstandard zu halten.“
Eckpunkte zur Schulverpflegung an der OBS Emstek, teilgebundene Ganztagsschule mit 520 Schüler*innen
Mensa als Eigenbetrieb durch den Schulträger, vier festangestellte Küchenkräfte
- TK-Komponenten von zwei Herstellern
- Speiseplanung orientiert sich am DGE-Qualitätsstandard
- Ergänzung um selbsthergestellte Komponenten durch die Schülerfirma
- subventionierter Mahlzeitenpreis 3,90 Euro
- 240 Mittagessen pro Tag, hohe Teilnahmequote von über 90 % (jede*r Schüler*in ist an zwei Wochentagen im Ganztag, freitags ist die Mensa geschlossen)
Frühstücksangebot und Zwischenverpflegung durch Hausmeister in Zusammenarbeit mit Schülerfirma
- keine Süßigkeiten oder zuckerhaltige Erfrischungsgetränke im Angebot
- moderate Selbstkostenpreise (z. B. halbes belegtes Brötchen für 0,30 Euro)
Leitungsgebundenes Trinkwassersystem
- mehrere Zapfstellen in der Schule
- Schulanfänger*innen bekommen Trinkflasche kostenlos
- Trinken ist im Unterricht erlaubt (ausschließlich Wasser)
Eckpunkte Ernährungsbildung und Partizipation
- Schülerfirma im Rahmen des Profilfachs Gesundheit und Soziales Klasse 10 mit
- Produktion Frühstücksangebot an zwei Wochentagen für den Schulkiosk
- Herstellung von Komponenten für die Mensa (Schülerfirma tritt hier als weiterer Lieferant auf und verkauft an die Mensa)
- Catering bei Gemeinde- und Schulveranstaltungen
- Schüler*innengruppe beschäftigt sich mit der Mensa, u.a. zu Themen Lebensmittelwertschätzung, Reduzierung von Tellerresten, Ordnung und Lärmvermeidung
- schuleigene Arbeitspläne je Jahrgangsstufe für das Fach „Soziales Lernen“, in dem das Thema Gesunde Ernährung verankert ist, mit verpflichtenden Unterrichtsinhalten und Aktionen, z. B.
- Verkostungen und Probieraktionen in der Mensa
- Zufriedenheitsbefragungen
- Hochbeete „Science4Future“ mit eigenem Gemüseanbau für die Mensa
- Workshops für Eltern
- jede neue 5. Klasse entwickelt ein neues Rezept für den laufenden Betrieb
- „kurzer Draht“ zwischen allen Beteiligten, täglicher enger Austausch
- Schulverpflegung als gemeinsame Aufgabe von Schulleitung und didaktischer Leitung