Grundschulkinder lachen in die Kamera.
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Hamm in Westfalen: Für alle Kinder Chancengerechtigkeit in der Bildung

Unter dem Dach der Chancengerechtigkeit startete die Stadt 2020 ihren Weg zur familienfreundlichen Kommune. Eine der kommunalpolitischen Maßnahmen ist der bedarfsgerechte Ausbau ganztägiger Bildungs- und Betreuungsangebote, in dem Schulverpflegung ein wichtiger Baustein ist. Für unser Praxisbeispiel sprachen wir mit Ingo Drees, stellvertretender Leiter im Amt für schulische Bildung.

Die Stadt Hamm treibt die Verfügbarkeit von Betreuungsplätzen durch den Ausbau von Kitas und Offenen Ganztagsschulen sowie der Übermittagsbetreuung gemeinsam mit Trägern der Freien Jugendhilfe kontinuierlich voran. Dieser Ausbau erfolgt per Ratsbeschluss mit dem strategischen Ziel, Chancengerechtigkeit zu fördern, Familien besser zu unterstützen und gleichberechtigte Bildungs- und Teilhabechancen für alle Kinder ungeachtet ihrer sozialen Herkunft zu schaffen. Flankierende Maßnahmen waren unter anderem Investitionen in die Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur sowie die Halbierung der Elternbeiträge für Kindertagesbetreuung und schulische Betreuungsangebote. 

Bildungsgerechtigkeit: Schulverpflegung als Baustein

Um Handlungsbedarfe frühzeitig zu erkennen, hat die Stadt eine Personalstelle für das kommunale Bildungsmonitoring geschaffen. „Wir haben uns ämterübergreifend und mit den Schulaufsichten zusammengesetzt, um das Thema Bildungsgerechtigkeit zu beleuchten. Wir haben Ziele gesetzt und versucht, diese mit Kennzahlen messbar zu machen“, erläutert Ingo Drees. „Daraus hat sich eine Bildungsberichterstattung entwickelt, die uns regelmäßig ein datengestütztes Gesamtbild liefert. In diesem Maßnahmen-Gesamtpaket ist die Schulverpflegung zwar ein kleiner, aber wichtiger Baustein.“ Durch entsprechende Zu- und Umbauten werden die Mensakapazitäten in den Grundschulen sukzessive erhöht. „Es soll vermieden werden, dass Kinder in mehreren Schichten essen und damit schon um 11:15 Uhr beginnen müssen, damit alle Klassenstufen bis 14 Uhr mit dem Essen durch sind.“ 

Teilnahmequote am Ganztag: Zielmarke 85 Prozent

Alle 27 städtischen Grundschulen und drei städtische Förderschulen sind Offene Ganztagsschulen. „Wir liegen derzeit bei einer Teilnahmequote am Offenen Ganztag und Übermittagsbetreuung von etwa 75 %. Unsere Planungsgröße ist etwa 85 %, aufgrund des Rechtsanspruchs und weil Elternbedarfe steigen.“ Von insgesamt 25 weiterführenden Schulen in städtischer Trägerschaft haben 10 Schulen Ganztagsangebote.

Schulessen: Akzeptanzproblem in weiterführenden Schulen

In den Grundschulen nehmen bis Klasse vier fast alle Kinder an der Schulverpflegung teil. „Probleme sehen wir an weiterführenden Schulen, da nimmt die Akzeptanz ab der 7. Klasse stark ab“, so Ingo Drees. „Wir bieten dort ein Mittagessen an, die Nachfrage ist stark schwankend. An anderen weiterführenden Schulen ohne Ganztagsbetrieb schreiben wir Kioskbetriebe aus, die auch warme Snacks im Angebot haben.“ Insgesamt ist ein Spagat zwischen Gesundheit und Wirtschaftlichkeit gefragt: „Wir wollen einerseits vermeiden, dass die Jugendlichen Imbisse in der Umgebung nutzen, andererseits muss das Angebot auch für den Caterer wirtschaftlich bleiben“, erklärt Drees. In mehreren weiterführenden Schulen fördern Selbstbedienungsangebote wie Salat- oder Pasta-Bars die Akzeptanz. „Wir versuchen, die Mensen multifunktional nutzbar zu machen. Wenn möglich, ergänzen wir die klassische Mensa-Möblierung, so dass die Aufenthaltsqualität für die Kinder und Jugendlichen attraktiver wird“, ergänzt Ingo Drees. Je nach Küchenausstattung wird das Essen warm angeliefert oder als Kühlkost in der Schule regeneriert. 

Bildungs- und Teilhabepaket: Hohe Inanspruchnahmequote

Damit möglichst viele Kinder am Offenen Ganztag teilhaben können, sind die Betreuungsentgelte nach Familieneinkommen gestaffelt. Durch eine Geschwisterkinderregelung können Familien mit mehreren Kindern eine Gebührenermäßigung nutzen. Dass der Kommune eine sozial-gerechte Teilhabe wichtig ist, zeigt sich auch in der Nutzung des Bildungs- und Teilhabepaketes (BuT). „Jedes anspruchsberechtigte Kind soll Zugang zu diesen Leistungen haben, auch zum Mittagessen. Damit die Teilnahme niederschwellig erfolgen kann und nicht an finanziellen Hürden scheitert, haben wird die YouCardHamm ins Leben gerufen. Mit der Bildungskarte können Caterer das Geld direkt abrufen, das geschieht diskriminierungsfrei und vereinfacht die Vorgänge“, erklärt Ingo Drees. Eine gute Öffentlichkeitsarbeit sowie ergänzende Beratungsleistungen in Schulen fördern die Inanspruchnahme des BuT. 

Wege zu mehr Resilienz

In Hamm wird die Schulverpflegung für jede Schule einzeln ausgeschrieben. Eine vielfältige Caterer-Landschaft bietet ein Sicherheitsnetz, sollte eines der Unternehmen aus unterschiedlichen Gründen einmal ausfallen. „In krisenrelevanten Fällen gibt es dann auch andere Unternehmen, die die Schulen und den Markt gut kennen“. Aufgrund der Ausschreibungen wechseln die Caterer an den Hammer Schulen regelmäßig. „Aus unserer Erfahrung ist das positiv. Jedes Unternehmen hat seinen eigenen Kochstil, der an einer Schule geliebt wird, an einer anderen eher weniger. Deshalb fahren wir mit diesem Konzept der vielfältigen Caterer-Landschaft gut.“

„Wir möchten damit eine möglichst hohe Vielfalt an Caterern erreichen. Die vergleichsweise kleineren Mengen führen auch dazu, dass wir überwiegend Unternehmen aus der Region gewinnen, weil diese Stückzahlen für überregional tätige Unternehmen nicht attraktiv sind. Das ist durchaus so gewollt, denn es hält die Wirtschaftskraft in der Region.“
Ingo Drees, Stadt Hamm

Wachsender Prozess: Kommunikation ist Gelingensfaktor

Der wichtigste Gelingensfaktor in der Zusammenarbeit mit Akteuren ist für Ingo Drees die Kommunikation. „Das ist uns sehr wichtig, vor allem mit den Schulen. Jede Schule hat ihre eigenen Rahmenbedingungen und verfolgt unterschiedliche Konzepte. Das müssen wir berücksichtigen, wenn Schulverpflegung vor Ort erfolgreich sein soll.“ So gibt es an den Schulen unterschiedliche Schwerpunkte. „Den einen ist der Preis wichtig, andere Schulen möchten eine Bio-Quote. Diese Wünsche können wir bedienen, alles natürlich auf Basis des DGE-Qualitätsstandards, der verpflichtend ist“, so Drees. Rückblickend sieht Ingo Drees die Qualitätsentwicklung als einen Prozess, der sich in Zusammenarbeit mit allen Akteuren entwickelt hat. „Das ist über die Jahre gewachsen. Unser Ziel ist es, unseren Standard auch zu halten.“

Auf einen Blick

  • kommunales Ziel, Chancengerechtigkeit zu fördern, Familien besser zu unterstützen und gleichberechtigte Bildungs- und Teilhabechancen für alle Kinder ungeachtet ihrer sozialen Herkunft zu schaffen
  • per Ratsbeschluss Ausbau von ganztägigen Bildungs- und Betreuungsangeboten fokussiert; in Grundschulen und Förderschulen plant die Stadt mit einer Teilnahmequote am Ganztag und Übermittagsbetreuung von 85 % 
  • sozial-gerechte Förderung: nach Einkommen der Eltern gestaffelte Betreuungsentgelte und Geschwisterkinderermäßigung
  • Nutzung des Bildungs- und Teilhabepaketes per Bildungskarte bürokratiearm für die Eltern, verlässlich für die Anbieter, diskriminierungsfrei für die Kinder; sehr hohe Inanspruchnahmequoten
  • Schulverpflegung wird je Schulstandort ausgeschrieben: Caterer-Vielfalt ist außerdem Resilienzfaktor; Schulen können so zudem ihre Schwerpunkte zum Verpflegungsangebot individuell umsetzen 

Kontakt

Stadt Hamm
Ingo Drees, stellvertretender Amtsleiter
Amt für schulische Bildung
drees@stadt.hamm.de