Wenn das Schulessen fehlt: Wunsch nach perfekter Brotdose setzt Eltern unter Druck
Die richtige Brotdose für ihr Kind ist für viele Eltern herausfordernd. Der Inhalt soll alle Erwartungen erfüllen, die Zubereitung braucht Organisation und nicht zuletzt soll es dem Kind schmecken. Eine australische Studie zeigt: Eltern haben außerdem häufig das Gefühl, sich für ihre Vorgehensweise rechtfertigen zu müssen.
Ein leckeres und gesundes Schulessen ist für die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen bedeutsam. Es trägt zur Prägung ihrer Ernährungsgewohnheiten bei und bietet zahlreiche pädagogische Momente. Nicht immer steht jedoch eine organisierte Schulverpflegung zur Verfügung: In Australien bringen die meisten Schulkinder ihr Schulessen von zuhause mit (lunch boxes). Das heißt, Eltern sind dafür verantwortlich, ihren Kindern täglich ein gesundes Mittagessen mitzugeben.
Dies war Anlass für australische Forschende, individuelle Erfahrungen und Überzeugungen von Eltern in Bezug auf diese Praxis zu analysieren. In einer qualitativen Studie führten sie leitfadengestützte Interviews durch.
Gesundes Mittagessen: Zerrissen zwischen allen Erwartungen
Die Erfahrungen der befragten Eltern zeigen, dass sie das Packen der Brotdosen für ihre Kinder als komplex und anspruchsvoll empfinden und diese Tätigkeit oft viel Aufwand und Diskussion erfordert:
- Sie fühlten sich mehrheitlich zerrissen zwischen eigenen Werten und Ressourcen, den Ernährungserfordernissen und -bedürfnissen ihrer Kinder und den institutionellen Richtlinien der Schule. So verpflichten Qualitätsstandards Eltern etwa zu Mahlzeiten ohne Verpackungsabfall oder zum Verbot bestimmter Lebensmittel in Klassen mit Kindern, die von Lebensmittelallergien betroffen sind.
- Die Eltern merkten an, dass das Mittagsangebot für ihr Kind stark von der Meinung der Peer-Group beeinflusst ist.
- Die Teilnehmenden mussten vielfach Kompromisse eingehen, um Lebensmittelkosten mit allen Ernährungsidealen in Einklang zu bringen.
- Insbesondere Mütter kämpften zudem mit gesellschaftlichen Erwartungen und sozialen Normen, denn gerade die Lebensmittelversorgung ist eng mit einer Beurteilung als „gute Mutter“ verknüpft.
Keine simple Tätigkeit
Zusammengefasst können diese Herausforderungen und Erwartungen zu vielfältigem Stress führen und eine ungesunde Ernährung bei Kindern eher fördern, so die Forschenden. Erziehungsberechtigte sind mit vielen sich verstärkenden Belastungen konfrontiert; eine vermeintlich einfache Aufgabe wie das Packen der Brotdosen erhöhe diese Belastung. Nicht überraschend befürworten sie deshalb einen systemischen Ansatz, der eine gesunde Schulverpflegung in den Schulen für alle Kinder zur Verfügung stellt – nicht nur, um die Belastungen der Eltern zu reduzieren, sondern vor allem um eine gesunde Ernährung der Kinder zu unterstützen.
Quelle
- Crystal Seow, Brittany J. Johnson, Jennifer L. Black, Georgia Middleton, “I do feel a lot of guilt about the lunchboxes”: Exploring caregiver perceptions and experiences of packing school lunches, Appetite, Volume 220, 2026, 108441, ISSN 0195-6663, (https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195666326000024)