Hohe Preise für Lebensmittel beeinflussen Gewichtsentwicklung bei Kindern negativ
Krisenbedingte Preisanstiege für Lebensmittel treffen vor allem die Stadtbevölkerung und Menschen mit niedriger Bildung. Betroffen sind besonders Kinder, die Folgen können sich ein Leben lang auswirken: Sie sind häufiger chronisch unterernährt, zeigen Wachstumsverzögerungen oder sind deutlich anfälliger für Übergewicht.
Diese Ergebnisse legt ein Forschungsteam der Universität Bonn vor, bei der sie in einer Studie die kurz- und langfristigen Folgen krisenbedingter Preissteigerungen auf die Gesundheit von Kindern untersuchten. Beispielhaft diente den Forschenden vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) die Finanzkrise in Asien in den späten 1990er Jahren, bei der es durch Turbulenzen am Finanzmarkt zu einer drastischen Verteuerung von Reis als wichtigstem Grundnahrungsmittel kam.
Die Wissenschaftler*innen werteten Daten des Indonesian Family Life Surveys (IFLS) aus, einer Verlaufsstudie (1993 bis 2014) mit etwa 7.300 Haushalten in Indonesien, die umfassende Daten zu Demografie, Gesundheit, Ernährung und ökonomischen Bedingungen von Haushalten und ihrer Mitglieder erfasste. Die Studie ist repräsentativ für 83 % der indonesischen Bevölkerung. Um die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Ernährung von Kindern zu messen, verglichen die Forschenden die Reispreisentwicklung in verschiedenen Regionen zwischen 1997 (vor der Krise) und 2000 (nach der Krise) und verknüpften diese mit Körpermaßen derselben Kinder in früher Kindheit und als junge Erwachsene.
Kurz- und langfristige Folgen
Ein massiver Preisschock belastet Kinder nicht nur kurzfristig, sondern kann sich auch in ihrer langfristigen körperlichen Entwicklung zeigen:
- Kinder in Regionen mit höheren Reispreissteigerungen sind deutlich häufiger von Unterernährung und Wachstumsverzögerung betroffen.
- Diese negativen Auswirkungen zeigen sich eher in städtischen als in ländlichen Regionen. Auch der Bildungshintergrund spielt eine Rolle: Kinder von Müttern mit niedriger Bildung sind signifikant stärker betroffen als Kinder besser gebildeter Mütter.
- Gleichzeitig erhöhte sich das Risiko von kindlichem Übergewicht.
- Stark betroffene Kinder waren im Erwachsenenalter kleiner als nicht betroffene Altersgenossen. Für die Gruppe, die während der Krise drei bis fünf Jahre alt war, zeigen sich auch signifikante Zusammenhänge mit dem Body Mass Index und Adipositas.
Kinder in sensiblen Entwicklungsphasen schützen
Familien sparen in Krisen weniger bei Kalorien als bei teureren, nährstoffreichen Lebensmitteln, so die Autor*innen. Es entstehe dann ein ‚versteckter Mangel‘ an wichtigen Mikronährstoffen, der das Längenwachstum bremse, ohne dass das Körpergewicht im selben Maße sinken müsse. Die Forschenden verweisen darauf, dass Ernte-, Einkommens- und Preisschocks weltweit zunehmen – durch Konflikte, Pandemien und extreme Wetterereignisse. Die Analyse liefere damit empirische Hinweise, wie sich wirtschaftliche Turbulenzen über Lebensmittelpreise in langfristige Gesundheitsrisiken übersetzen können. Die Wissenschaftler*innen betonen deshalb die Notwendigkeit ernährungssensitiver Maßnahmen, damit Kinder in sensiblen Entwicklungsphasen gezielt geschützt werden.
„Mangelerfahrungen im Kleinkindalter können ein Leben lang nachwirken – Wachstumsstörungen sind leichter zu messen, gehen aber oft auch mit geistigen Entwicklungsstörungen einher, und mit einem erhöhten Risiko von Adipositas und chronischen Folgekrankheiten. In derselben Krise können Unterernährung und Übergewicht zunehmen.“
Quelle
- Elmira E.S., Qaim M. (2026): Macroeconomic shocks and long-term nutritional outcomes: Insights from the Asian financial crisis. Global Food Security, https://doi.org/10.1016/j.gfs.2025.100900 (open access)